Mobbing in der Grundschule: erkennen, mit der Schule sprechen, was Programme leisten
Nicht jeder Streit unter Kindern ist Mobbing, und Mobbing beginnt nicht erst nach der Grundschule. Wir zeigen, woran Sie den Unterschied erkennen, wie Sie mit der Schule sprechen und was Programme gegen Mobbing nach dem Stand der Forschung leisten.
Kurz gesagt
- Mobbing heißt, dass ein Kind wiederholt und mit Absicht angegriffen wird und sich allein nicht mehr wehren kann; ein Streit zwischen etwa gleich starken Kindern ist kein Mobbing.
- In IGLU 2021 erlebten 11 Prozent der Viertklässler in Deutschland Angriffe wie Beschimpfen, Ausschließen oder Schlagen etwa wöchentlich.
- Schreiben Sie Vorfälle mit Datum auf und sprechen Sie zuerst mit der Klassenleitung; danach kommen Schulleitung und schulpsychologische Beratung infrage.
- Schulische Programme gegen Mobbing senkten das Mobben in der größten Metaanalyse im Schnitt um rund 18 bis 19 Prozent: ein messbarer, aber bescheidener Effekt.
Streit oder Mobbing
Die klassische Definition stammt vom Psychologen Dan Olweus: Ein Kind wird gemobbt, wenn es wiederholt und über längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Kinder ausgesetzt ist. Gemeint sind Worte wie Spotten und Beschimpfen, körperliche Angriffe wie Treten und Stoßen, aber auch Fratzen schneiden oder ein Kind ausschließen.[1]
Die Forschung nennt heute drei Kernmerkmale: Mobbing geschieht wiederholt, mit der Absicht zu schaden und bei einem Machtungleichgewicht. Das macht es dem betroffenen Kind schwer, sich ohne Hilfe von außen zu wehren. Das Ungleichgewicht kann aus Körperkraft entstehen, aber auch daraus, wie gut ein Kind in der Klasse eingebunden ist. Streiten oder raufen dagegen zwei etwa gleich starke Kinder, ist das kein Mobbing.[2]
Eine feste Grenze gibt es nicht. Eine Faustregel aus der Praxisliteratur, die die Bundeszentrale für politische Bildung zitiert, spricht von Übergriffen mindestens einmal pro Woche über Wochen oder Monate.[1] Die HBSC-Studie zählt schon ab zwei- bis dreimal im Monat.[2] Achten Sie also darauf, ob sich etwas über Wochen wiederholt und ob es immer wieder dasselbe Kind trifft.
Das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen beschreibt Mobbing zudem als Gruppengeschehen, bei dem etwa das Ausgrenzen in der Klasse schwer wiegt.[3] Es geht dann nicht nur um ein einzelnes Kind, sondern auch um die Klasse.
Wie häufig Mobbing in der Grundschule ist
Zahlen für die Grundschule liefert IGLU 2021 (international PIRLS). Viertklässlerinnen und Viertklässler gaben an, wie oft ihnen andere Kinder ihrer Schule im laufenden Schuljahr zehn verschiedene Dinge angetan hatten, vom Auslachen über Ausschließen und Schlagen bis zu gemeinen Nachrichten im Internet.[4] In Deutschland erlebten 62 Prozent das nie oder fast nie, 27 Prozent etwa monatlich und 11 Prozent etwa wöchentlich. Im internationalen Mittel waren es 63, 25 und 12 Prozent.[4]
IGLU misst damit nicht Mobbing im strengen Sinn, sondern wie oft Kinder solche Angriffe erleben. Am häufigsten waren diese vier:[5]
| Was Kinder in Klasse 4 erlebten | Mindestens einmal pro Woche | Überhaupt schon erlebt |
|---|---|---|
| Andere machen sich über sie lustig oder beschimpfen sie | 17,3 % | 52,3 % |
| Sie dürfen beim Spielen oder anderen Dingen nicht mitmachen | 16,1 % | 54,6 % |
| Sie werden geschlagen, oder ihnen wird wehgetan | 12,3 % | 49,4 % |
| Über sie werden Lügen verbreitet | 11,2 % | 39,2 % |
Grundlage sind die Angaben von 4.611 Kindern an 252 Grundschulen in Deutschland. Nur in 8,8 Prozent der Klassen erlebte kein Kind regelmäßig Beschimpfungen.[5]
Online und im Klassenchat
Läuft Mobbing über Chatgruppen oder soziale Netzwerke, heißt es Cybermobbing. Betroffene wissen oft nicht, wer dahintersteckt, und können sich kaum entziehen.[2] In Klasse 4 ist das seltener, kommt aber vor: Rund 20 Prozent der Viertklässler hatten schon gemeine oder verletzende Nachrichten online bekommen.[5] Wenn Ihr Kind ein eigenes Handy bekommt und in den Klassenchat kommt, gehört das Thema in Ihre gemeinsamen Regeln. Wie solche Regeln aussehen können, steht im Beitrag zum ersten eigenen Handy.
Nach der Grundschule
Die WHO-Studie HBSC befragte 2022 in Deutschland 6.475 Schülerinnen und Schüler, überwiegend aus den Klassen 5, 7 und 9. Als gemobbt zählte, wer mindestens zwei- bis dreimal im Monat gemobbt wurde. Bei den Elfjährigen, also meist kurz nach der Grundschule, waren das 9,3 Prozent; 2,6 Prozent mobbten andere, 1,9 Prozent erlebten beides. Online wurden 3,0 Prozent der Elfjährigen gemobbt. Über alle Altersgruppen war Cybermobbing etwa halb so häufig wie Mobbing in der Schule, hat aber seit 2017/18 zugenommen.[2]
Die Zahlen aus IGLU und HBSC lassen sich nicht nebeneinanderlegen, weil die Studien anders fragen und anders zählen. Ob Mobbing nach der Grundschule zu- oder abnimmt, lässt sich daraus nicht ablesen.
Anzeichen bei Ihrem Kind
Mobbing geschieht oft verdeckt: in der Pause, auf dem Schulweg, wenn die Lehrkraft wegschaut. Mögliche Hinweise nennt die Praxisliteratur, die die Bundeszentrale für politische Bildung zitiert:[1]
- Ihr Kind kommt bedrückt nach Hause und zieht sich zurück.
- Seine Leistungen fallen ab.
- Vor dem Schulweg hat es Bauchweh, Kopfschmerzen oder keinen Appetit.
- Es will nicht mehr in die Schule.
- Es bekommt keine Einladungen zu Kindergeburtstagen.
- Seine Sachen gehen „verloren“.
- Es hat Albträume.
Nicht immer steckt Mobbing dahinter, es kann aber eine Ursache sein.[1] Auch wenn ein Kind die Schule verweigert, kann Mobbing der Auslöser sein.[6] Was hinter morgendlichem Bauchweh sonst stecken kann, steht im Beitrag zur Schulangst.
Wie Sie das Gespräch suchen
Das ist praktischer Rat, kein Forschungsergebnis: Fragen Sie nicht nur „Wirst du gemobbt?“, sondern nach dem Alltag. Mit wem spielst du in der Pause? Wem gehst du lieber aus dem Weg? Versprechen Sie nicht, niemandem etwas zu sagen, sondern erklären Sie, was Sie als Nächstes vorhaben. Sprechen Sie das andere Kind nicht selbst an. Weil Mobbing in der Gruppe geschieht, gehört die Klärung in die Schule.
Was Mobbing bewirken kann
Laut dem Forschungsüberblick der HBSC-Autorinnen geht Mobbing mit schlechteren Schulleistungen, häufigerem Fernbleiben von der Schule und höheren Risiken für Ängstlichkeit, Depressivität, psychosomatische Beschwerden, Selbstverletzung und Suizidalität einher.[2] Eine Metaanalyse von 30 Studien fand für gemobbte Kinder und Jugendliche ein gut doppelt so hohes Risiko für psychosomatische Beschwerden wie für Gleichaltrige ohne Mobbing (Odds Ratio 2,39 in Langzeit-, 2,17 in Querschnittstudien).[7]
In einer britischen Langzeitstudie mit 7.771 Personen hatten Kinder, die laut ihren Eltern mit sieben und elf Jahren häufig gemobbt wurden, noch mit 45 bis 50 Jahren häufiger Depressionen, Angststörungen und Suizidgedanken.[8] Das sind Risiken in großen Gruppen, keine Vorhersage für Ihr Kind. Sie sprechen aber dafür, Mobbing früh anzugehen.
Mit der Schule sprechen
Für Schulen und den Umgang mit Mobbing dort sind die Länder zuständig.[9] Die Gesetzesbeispiele in diesem Abschnitt stammen deshalb aus Nordrhein-Westfalen und Bayern; in anderen Ländern kann es anders geregelt sein.
Vorher aufschreiben
Konkrete Vorfälle helfen im Gespräch mehr als ein allgemeiner Eindruck. Auch was außerhalb der Schule passiert, besonders in digitalen Medien, gehört laut der NRW-Schulpsychologie zur Sprache.[10]
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Notizen für das Gespräch mit der Schule
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Wen Sie ansprechen
Erste Ansprechperson ist die Klassenleitung. Bitten Sie um einen eigenen Termin, sagen Sie vorher in einem Satz, worum es geht, und vereinbaren Sie am Ende, was die Schule tut und wann Sie wieder miteinander sprechen. Wie Sie ein schwieriges Gespräch ruhig führen, steht im Beitrag zum Elternsprechtag.
Ändert sich nichts, ist die Schulleitung der nächste Schritt. Das NRW-Schulministerium nennt außerdem Vertrauens- und Beratungslehrkräfte, die Schulsozialarbeit und die Schulpsychologischen Dienste, darüber hinaus die Schulaufsicht.[3] Die Schulpsychologie steht außerhalb des Konflikts; in NRW wenden sich bei Mobbing auch Eltern an sie, die nicht mehr weiterwissen.[10] Kostenfrei und vertraulich ist sie zum Beispiel in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg.[11], [12], [13] In den übrigen Ländern fragen Sie an der Schule nach.
Was die Schule tun kann
Die Schule ist für das Wohl und die Aufsicht der Kinder verantwortlich, in Nordrhein-Westfalen etwa nach § 42 und § 57 des Schulgesetzes. Dort muss jede Schule auch ein Schutzkonzept gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch haben.[14]
Bei Fehlverhalten geht die Schule gestuft vor. In NRW kommen zuerst erzieherische Mittel wie Gespräche, Gruppengespräche mit Kindern und Eltern oder Wiedergutmachung. Erst wenn das nicht reicht, sind Ordnungsmaßnahmen zulässig, etwa ein schriftlicher Verweis, die Überweisung in eine Parallelklasse oder der Ausschluss vom Unterricht für einen Tag bis zu zwei Wochen (§ 53 SchulG NRW).[14] In Bayern ist es ähnlich; zu den Ordnungsmaßnahmen gehört dort etwa der Ausschluss vom Unterricht für bis zu vier Wochen. Wegen Verhaltens außerhalb der Schule, etwa in privaten Chatgruppen, sind Ordnungsmaßnahmen in Bayern nur zulässig, soweit es die Aufgaben der Schule gefährdet (Art. 86 BayEUG).[15]
Ein Klassen- oder Schulwechsel ist laut der NRW-Schulpsychologie das Mittel der letzten Wahl.[10] Fragen Sie deshalb vor allem, was die Schule in der Klasse unternehmen will.
Ist Mobbing strafbar?
Die einzelnen Handlungen sind laut NRW-Schulministerium größtenteils strafrechtlich relevant, etwa Beleidigung, Nötigung, Erpressung oder Körperverletzung.[3] Bestraft werden können Kinder aber erst ab 14 Jahren; wer jünger ist, ist schuldunfähig (§ 19 StGB).[16] Davon getrennt ist die Haftung für Schäden: Ab sieben Jahren kann ein Kind haften, wenn es die nötige Einsicht in seine Verantwortung hatte, und wer die Aufsicht hat, haftet, wenn er seine Aufsichtspflicht verletzt hat (§§ 828 und 832 BGB).[17], [18] Das wird im Einzelfall entschieden.
Nach der NRW-Schulpsychologie kann es in einzelnen Fällen unerlässlich sein, die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten.[10] Im Gespräch mit der Schule hilft Ihnen eine genaue Beschreibung der Vorfälle aber mehr als der Hinweis auf Paragrafen.
Was Programme gegen Mobbing leisten
Wenn die Schule auf ein Programm verweist, hilft ein Blick auf die Forschung. Die umfassendste Metaanalyse (Gaffney, Ttofi und Farrington, 2021) wertete 100 Evaluationen mit Vergleichsgruppe aus, die meisten aus den USA. Im Schnitt ging das Mobben um rund 18 bis 19 Prozent zurück, das Gemobbt-Werden um rund 15 bis 16 Prozent. Die Autoren nennen das selbst bescheiden. Die Ergebnisse schwanken stark, und gemessen wurde meist über Selbstauskünfte, sodass ein Teil der Veränderung auch in den Antworten liegen kann.[19]
Worauf es ankommt
Größere Effekte auf das Mobben hatten Programme mit einem Ansatz für die ganze Schule, Regeln für Schule und Klasse, Information für Eltern, Einbezug der Mitschülerinnen und Mitschüler und Arbeit mit den betroffenen Kindern. Wie viele solcher Bausteine ein Programm hatte, spielte keine Rolle.[20] Daraus ergeben sich Fragen an die Schule, ob sie nun ein bestimmtes Programm nutzt oder nicht.
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Fragen an die Schule
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Olweus-Programm
Das Programm stammt von Dan Olweus, auf den auch die Definition oben zurückgeht.
Mythos
Das Olweus-Programm halbiert das Mobbing an einer Schule.
Was die Forschung sagt
Das norwegische Olweus-Programm hatte in der Metaanalyse zwar die größten Effekte auf das Mobben. In norwegischen Studien ging das Mobben aber um rund 35 Prozent zurück und das Gemobbt-Werden um rund 29 Prozent, in Studien aus den USA um rund 25 und rund 11 Prozent.[19]
Auch Olweus und Limber schreiben, die Studien in den USA seien nicht durchgängig einheitlich gewesen.[21] Das Programm wirkt also, eine Halbierung belegen diese Zahlen aber nicht.
KiVa
KiVa stammt von der Universität Turku in Finnland und wird über Lizenzpartner verbreitet. In der Länderliste der KiVa-Website steht Deutschland nicht, die Schweiz zum Beispiel schon (Stand Oktober 2026).[22] In finnischen Studien war der Effekt klein, mit rund 4 bis 5 Prozent weniger Mobben und rund 6 Prozent weniger Gemobbt-Werden.[19]
In der neuesten großen Grundschulstudie zu KiVa aus Großbritannien (118 Schulen, 11.111 Kinder von sieben bis elf Jahren, Schulen zufällig verteilt) sank der Anteil gemobbter Kinder an KiVa-Schulen von 20,3 auf 17,7 Prozent, an den Vergleichsschulen von 21,6 auf 20,7 Prozent. Auf das Mobben selbst und auf das Wohlbefinden in der Schule hatte KiVa keinen messbaren Effekt.[23]
No Blame Approach
Der No Blame Approach soll einen akuten Fall ohne Schuldzuweisung beenden: erst ein Gespräch mit dem betroffenen Kind, dann ein Treffen mit einer Unterstützungsgruppe aus sechs bis acht Kindern, zur Hälfte am Mobbing Beteiligte, zur Hälfte Unbeteiligte, nach acht bis 14 Tagen kurze Einzelgespräche. Voraussetzung ist, dass das betroffene Kind einverstanden ist.[24]
Zur Wirkung gibt es nur Befragungen von Fachkräften, die das Verfahren anwenden: 2008 meldeten sie 220 Fälle, davon nach eigenen Angaben 192 gestoppt, bei einem Rücklauf von rund 16 Prozent. Die Grüne Liste Prävention des Landespräventionsrats Niedersachsen vergibt deshalb null Sterne, „keine Beweiskraft“.[24] Das NRW-Schulministerium nennt den Ansatz dagegen ein wirksames, nicht strafendes Verfahren.[3] Kurz: In NRW ist er offiziell empfohlen, kontrollierte Studien zu seiner Wirkung fehlen.
Programme für ältere Kinder
Fairplayer.Manual der FU Berlin richtet sich an Klasse 7 bis 9, eine weitere Fassung an Klasse 5 und 6; für Klasse 1 bis 4 ist es nicht gedacht. Die Grüne Liste bewertet es mit „Effektivität nachgewiesen“, gestützt auf eine Studie an einer Berliner Gesamtschule ohne Zufallszuteilung.[25] In der internationalen Metaanalyse zeigten zwei Fairplayer-Evaluationen dagegen keinen statistisch gesicherten Effekt auf das Mobben.[19]
„Gemeinsam Klasse sein“ der Techniker Krankenkasse ist eine Projektwoche für Klasse 5 mit einem Elternnachmittag. Die Grüne Liste stuft die Wirkung als wahrscheinlich ein, bei schwacher Beweiskraft; eine Hamburger Evaluation fand insgesamt nur eine kleine Wirkung.[26]
Wenn Ihr Kind selbst mobbt
Ein Anruf der Schule, Ihr Kind sei an Mobbing beteiligt, ist schwer zu hören. Unterstützung braucht dann auch Ihr Kind, denn negative Folgen kann Mobbing auch für Kinder haben, die andere mobben.[2] In einer US-Langzeitstudie mit 1.420 Teilnehmenden, bei denen Mobbing zwischen neun und 16 Jahren erfasst wurde, ging es als junge Erwachsene denen am schlechtesten, die gemobbt wurden und selbst mobbten.[27]
Was folgt, ist praktischer Rat. Hören Sie zuerst, was die Schule beobachtet hat, dann Ihr Kind. Fragen Sie nach Situationen statt nach Schuld: Was ist passiert? Wie ging es dem anderen Kind dabei? In NRW kommen zuerst erzieherische Mittel wie Gespräche und Wiedergutmachung infrage.[14] Arbeitet die Schule mit dem No Blame Approach, kann Ihr Kind Teil der Unterstützungsgruppe werden.[24] Vereinbaren Sie mit der Klassenleitung, was Sie zu Hause beitragen.
Hilfe außerhalb der Schule
Am Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer war Mobbing 2023 Thema in 4.564 Beratungen, das waren 5,2 Prozent aller Beratungen.[9] Die Beratung ist kostenlos und anonym; Ihr Kind kann auch chatten (montags bis donnerstags 14 bis 20 Uhr) oder eine Mail schreiben. Nur wenn ein Leben konkret und unmittelbar in Gefahr ist, muss die Beratung bestimmte Informationen an die Polizei weitergeben.[28]
Für Eltern gibt es das Elterntelefon derselben Stelle und die Erziehungsberatung, eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe.[28], [29] Laut der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung gibt es über 1.000 Beratungsstellen; die Beratung ist streng vertraulich und kostenfrei, auch online.[30] Hält die Belastung Ihres Kindes an, führt der erste Schritt zu einer Psychotherapie in die psychotherapeutische Sprechstunde, ohne Überweisung; bei der Terminsuche hilft die 116117.[31]
Wann Sie Hilfe holen sollten
Holen Sie Unterstützung über die Klassenleitung hinaus, wenn …
- sich einige Wochen nach dem Gespräch mit der Klassenleitung nichts geändert hat.
- Ihr Kind morgens über Bauch- oder Kopfschmerzen klagt oder nicht mehr in die Schule will.
- die Angriffe in Chats weitergehen, auch außerhalb der Schulzeit.
- Ihr Kind davon spricht, sich etwas anzutun. Warten Sie dann nicht auf einen Termin in der Schule, sondern holen Sie sofort Hilfe, bei akuter Gefahr über den Rettungsdienst unter 112.
Erste Ansprechpartner
In der Schule: Klassenleitung, Vertrauens- oder Beratungslehrkraft, Schulsozialarbeit, Schulleitung und die schulpsychologische Beratung (kostenfrei und vertraulich zum Beispiel in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg). Für Ihr Kind: das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer, 116 111, montags bis samstags 14 bis 20 Uhr (samstags beraten Jugendliche), kostenlos und anonym. Für Sie: das Elterntelefon, 0800 111 0 550, montags, mittwochs und freitags 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags 9 bis 19 Uhr, bundesweit kostenlos und anonym (Zeiten Stand Oktober 2026). Außerdem eine Erziehungsberatungsstelle und bei anhaltender Belastung eine psychotherapeutische Sprechstunde. Im Notfall, wenn Ihr Kind sich selbst gefährdet: Rettungsdienst unter 112; viele kinder- und jugendpsychiatrische Kliniken haben auch Ambulanzen oder Notaufnahmen.[32]
Quellen
Wir stützen uns bevorzugt auf Übersichtsarbeiten, Leitlinien und Angaben offizieller Stellen. Zuletzt geprüft am 12. Oktober 2026.
- [1] Sander, W. / Bundeszentrale für politische Bildung (01.10.2008). Sachanalyse: Mobbing. Zitiert Olweus (1986, 1991), Hanewinkel/Knaack (2004) und Jannan (2008). Abgerufen am 11.10.2026. bpb.de
- [2] Fischer, S. M. & Bilz, L. für den HBSC-Studienverbund Deutschland (2024). Mobbing und Cybermobbing an Schulen in Deutschland: Ergebnisse der HBSC-Studie 2022 und Trends von 2009/10 bis 2022. Journal of Health Monitoring, 9(1), 46–67. Robert Koch-Institut. doi.org
- [3] Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Bildungsportal. Mobbing und Cybermobbing. Webseite, abgerufen am 11.10.2026. schulministerium.nrw
- [4] Reynolds, K. A., Komakhidze, M., Fishbein, B. & von Davier, M. (2024). Student Well-Being and Reading Achievement in PIRLS 2021 (PIRLS Insights). TIMSS & PIRLS International Study Center, Boston College / IEA. doi.org
- [5] Schaufelberger, R., Ludewig, U., Becher, L., Kleinkorres, R., Lorenz, R. & McElvany, N. (09.04.2024). Kurzbericht Tuesdays for Education. Wohlbefinden von Schüler*innen: Erfahrungen mit dissozialen Verhaltensweisen in Grundschulen in Deutschland und im internationalen Vergleich (auf Basis von IGLU 2021). Institut für Schulentwicklungsforschung, TU Dortmund. Abgerufen am 11.10.2026. ifs.ep.tu-dortmund.de
- [6] Neurologen und Psychiater im Netz, Ratgeber-Archiv (08.06.2015). Schulverweigerung: oft ist Angst die Ursache. Pressemeldung mit Dr. Ingo Spitczok von Brisinski (BKJPP). Abgerufen am 11.10.2026. neurologen-und-psychiater-im-netz.org
- [7] Gini, G. & Pozzoli, T. (2013). Bullied children and psychosomatic problems: a meta-analysis. Pediatrics, 132(4), 720–729. doi.org
- [8] Takizawa, R., Maughan, B. & Arseneault, L. (2014). Adult health outcomes of childhood bullying victimization: evidence from a five-decade longitudinal British birth cohort. American Journal of Psychiatry, 171(7), 777–784. doi.org
- [9] Bundesregierung (2024). Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU „Mobbing an deutschen Schulen“. Deutscher Bundestag, Drucksache 20/10912. Abgerufen am 11.10.2026. dserver.bundestag.de
- [10] Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Bildungsportal. Schule: Kein Ort für Mobbing?! Beitrag der Schulpsychologie. Webseite, abgerufen am 11.10.2026. schulministerium.nrw
- [11] Staatliche Schulämter Hessen. Schulpsychologische Beratung und Prävention. Webseite, abgerufen am 04.10.2026. schulaemter.hessen.de
- [12] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Staatliche Schulberatung in Bayern. Webseite, abgerufen am 04.10.2026. schulberatung.bayern.de
- [13] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. Schulpsychologische Dienste. Webseite, abgerufen am 04.10.2026. km.baden-wuerttemberg.de
- [14] Land Nordrhein-Westfalen. Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (SchulG) vom 15.02.2005, zuletzt geändert durch Gesetz vom 21.07.2026 (GV. NRW. S. 547), §§ 42, 53 und 57. Abgerufen am 11.10.2026. bass.schule.nrw
- [15] Freistaat Bayern. Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG), Art. 86, Text gültig ab 02.10.2026. Abgerufen am 11.10.2026. gesetze-bayern.de
- [16] Strafgesetzbuch (StGB), § 19. gesetze-im-internet.de, abgerufen am 11.10.2026. gesetze-im-internet.de
- [17] Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 828. gesetze-im-internet.de, abgerufen am 11.10.2026. gesetze-im-internet.de
- [18] Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 832. gesetze-im-internet.de, abgerufen am 11.10.2026. gesetze-im-internet.de
- [19] Gaffney, H., Ttofi, M. M. & Farrington, D. P. (2021). Effectiveness of school-based programs to reduce bullying perpetration and victimization: An updated systematic review and meta-analysis. Campbell Systematic Reviews, 17, e1143. doi.org
- [20] Gaffney, H., Ttofi, M. M. & Farrington, D. P. (2021). What works in anti-bullying programs? Analysis of effective intervention components. Journal of School Psychology, 85, 37–56. doi.org
- [21] Olweus, D. & Limber, S. P. (2010). Bullying in school: evaluation and dissemination of the Olweus Bullying Prevention Program. American Journal of Orthopsychiatry, 80(1), 124–134. doi.org
- [22] KiVa Program, Universität Turku. KiVa around the world. Webseite, abgerufen am 11.10.2026. kivaprogram.net
- [23] Bowes, L., Clarkson, S. u. a. (2024). The effects and costs of an anti-bullying program (KiVa) in UK primary schools: a multicenter cluster randomized controlled trial. Psychological Medicine, 54(15). doi.org
- [24] Landespräventionsrat Niedersachsen, Grüne Liste Prävention. No Blame Approach. Mobbing: Hinschauen, Handeln. Programmsteckbrief, Stand 11.10.2026. gruene-liste-praevention.de
- [25] Landespräventionsrat Niedersachsen, Grüne Liste Prävention. Fairplayer.Manual: gegen Gewalt an Schulen und für soziale Kompetenz. Programmsteckbrief, Stand 11.10.2026. gruene-liste-praevention.de
- [26] Landespräventionsrat Niedersachsen, Grüne Liste Prävention. Gemeinsam Klasse sein: zusammen gegen Mobbing und Cybermobbing (früher: Mobbingfreie Schule). Programmsteckbrief, Stand 11.10.2026. gruene-liste-praevention.de
- [27] Copeland, W. E., Wolke, D., Angold, A. & Costello, E. J. (2013). Adult psychiatric outcomes of bullying and being bullied by peers in childhood and adolescence. JAMA Psychiatry, 70(4), 419–426. doi.org
- [28] Nummer gegen Kummer e. V. Kinder- und Jugendtelefon (mit FAQ), Elterntelefon und FAQ Elterntelefon. Webseiten, abgerufen am 11.10.2026. nummergegenkummer.de
- [29] Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 28 (Erziehungsberatung). gesetze-im-internet.de, abgerufen am 11.10.2026. gesetze-im-internet.de
- [30] Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Erziehungsberatung. Webseite, abgerufen am 11.10.2026. bke.de
- [31] Kassenärztliche Bundesvereinigung, Patientenservice 116117. Psychotherapie. Webseite, abgerufen am 11.10.2026. 116117.de
- [32] Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (Stand 23.04.2026). Psychische Krisen: Anlaufstellen bei psychischen Krisen. Abgerufen am 12.10.2026. gesund.bund.de
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Hat Pädagogik und Informatik studiert. Schreibt hier über den Forschungsstand zum Lernen und prüft digitale Lernhilfen technisch, bevor sie hier erwähnt werden.
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