Rechtschreibung üben: Lernwörter, Diktat und was wirklich hilft
Lernwörter, Wörterkartei, Diktat: Rechtschreibung begleitet Familien durch die ganze Grundschule. Wir zeigen, was Kinder bis Klasse 4 können sollen, wie die Länder Grundwortschatz und Diktat regeln und welche Übungsformen belegt sind.
Kurz gesagt
- Am Ende von Klasse 4 sollen Kinder häufige Wörter richtig schreiben, Strategien wie Verlängern und Ableiten nutzen und eigene Texte korrigieren können.
- Den Grundwortschatz regeln die Länder unterschiedlich: Baden-Württemberg nennt rund 870 Wörter, Hessen rund 850, Hamburg 785 und Nordrhein-Westfalen 533 plus einen individuellen Wortschatz.
- „Diktate sind abgeschafft“ stimmt so nicht. In Bayern und Hamburg ist das Diktat eine mögliche Form, Rechtschreibung zu prüfen, mit jeweils eigenen Regeln.
- Bewusstes Abschreiben in Schritten und Abfragen statt bloßem Wiederlesen sind die Übungsformen, die Ministerien und Lernforschung stützen. Bleiben die Fehler trotz Übens zahlreich, sprechen Sie früh mit der Lehrkraft.
Was bis Klasse 4 erwartet wird
Was Kinder am Ende der Grundschule können sollen, legen die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) für das Fach Deutsch fest, zuletzt in der Fassung vom 23.06.2022. Für die Rechtschreibung heißt das: Kinder schreiben häufig vorkommende Wörter richtig, achten auf Fehler, kennen Rechtschreibstrategien und Rechtschreibhilfen und nutzen sie, um unsichere Schreibungen zu klären. Eigene Texte können sie korrigieren.[1]
Als Strategien nennen die Standards unter anderem, Wörter in Silben und Wortbestandteile zu gliedern, sie zu verlängern oder abzuleiten und sich Merkwörter einzuprägen. Als Rechtschreibhilfen nennen sie das Wörterbuch und die digitale Rechtschreibhilfe.[1] Dahinter steht eine einfache Unterscheidung: Die Schreibung vieler Wörter, der sogenannten Kernwörter, lässt sich oft herleiten. Auswendig lernen muss man vor allem die Merkwörter.[1]
Im Alltag sieht das so aus: Ob „Hund“ am Ende ein d oder ein t hat, hört Ihr Kind, wenn es das Wort verlängert: Hunde. Warum „Bäume“ mit äu geschrieben wird, erklärt das verwandte Wort „Baum“. Solche Wörter muss Ihr Kind nicht einzeln pauken, wenn es die Strategie verstanden hat. Nordrhein-Westfalen nennt in seinem Lehrplan außerdem das silbierende Sprechen, das Zerlegen von Wörtern und das Nachschlagen. Am Ende der Schuleingangsphase sollen Kinder dort das Lautprinzip, also die Zuordnung von Lauten zu Buchstaben, sicher beherrschen.[2]
Daneben verlangen die Bildungsstandards am Ende von Klasse 4 eine leserliche Handschrift, ohne eine bestimmte Schrift vorzuschreiben.[1] Welche Schrift Ihr Kind lernt, steht in unserem Artikel zu Schreibschrift und Füller.
Wie viele Kinder das erreichen
Ob Viertklässler die Standards erreichen, prüft der IQB-Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. 2021 gingen dafür die Daten von 26.844 Kindern aus 1.464 Schulen ein.[3] In der Rechtschreibung verfehlten 30,4 Prozent den Mindeststandard, 2016 waren es 22,1 Prozent. Mindestens den Regelstandard erreichten 44,4 Prozent, nach 53,9 Prozent im Jahr 2016.[4] Gemessen am üblichen Lernzuwachs eines Schuljahres entspricht der Rückgang in der Rechtschreibung etwa einem Viertel Schuljahr.[5]
Den Mindeststandard zu verfehlen heißt nicht, gar nicht schreiben zu können. Auf dieser untersten Stufe ist die Lautstruktur der geschriebenen Wörter erkennbar, einige Kinder beherrschen die Zuordnung von Lauten zu Buchstaben aber noch nicht sicher. Wer den Mindeststandard erreicht, beherrscht die elementaren Beziehungen zwischen Lauten und Buchstaben.[3] Das sind die jüngsten Ergebnisse; der nächste Bildungstrend für die Grundschule ist für 2027 geplant.[6]
Der Grundwortschatz
Mehrere Länder legen in einem Grundwortschatz fest, an welchen Wörtern Kinder in der Grundschule Rechtschreibung lernen. Name, Umfang und Aufbau unterscheiden sich.
| Land | Umfang laut Land | Was dazugehört |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | rund 870 Wörter[7] | verbindlich seit dem Schuljahr 2020/21 |
| Bayern | je ein Grundwortschatz für Klasse 1/2 und 3/4; Wortzahl bei der Schule erfragen[8], [9] | für Klasse 3/4 im Lehrplan als „verbindlich“ bezeichnet |
| Hamburg | „Basiswortschatz“ mit 785 Wörtern[10] | von der Schulbehörde gemeinsam mit Lehrkräften erarbeitet |
| Hessen | rund 850 Wörter[11] | Handreichung des Kultusministeriums, 2. Auflage 2022 |
| Nordrhein-Westfalen | 533 Wörter, dazu ein individueller Wortschatz von etwa 200 bis 300 Wörtern[12] | im Lehrplan Deutsch von 2021 verankert[2] |
| übrige Länder | bei der Schule erfragen | bei der Schule erfragen |
Stand Oktober 2026. Die verbindliche Auskunft gibt die Schule bzw. das Schulamt.
Die Listen sind nicht nur unterschiedlich lang, sondern auch unterschiedlich gedacht. Nordrhein-Westfalen teilt seine 533 Wörter in 422 „Nachdenkwörter“, an denen Kinder Regeln erforschen, und 111 häufig gebrauchte oder häufig falsch geschriebene Merkwörter.[12] Bayern versteht seinen Grundwortschatz als Modellwortschatz, an dem Kinder Rechtschreibprinzipien erarbeiten. Ergänzt wird er durch einen eigenen Übungswortschatz jedes Kindes, etwa aus Fehlern in eigenen Texten.[13]
Hessen begründet seine Auswahl auch mit der Häufigkeit: Die 100 häufigsten Wörter machen etwa die Hälfte der Wörter eines Textes aus, die meisten davon sind Funktionswörter wie Artikel und Pronomen.[11] Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass sich die Schreibung vieler Funktionswörter nur schwer herleiten lässt; sie müssen bewusst auswendig gelernt werden. Den ganzen Grundwortschatz nur auswendig lernen zu lassen, würde Kinder dagegen beim Verstehen der Rechtschreibung allein lassen.[12]
Die KMK sieht darin eine Grundspannung: Ein Grundwortschatz richtet sich meist nach der Häufigkeit der Wörter und legt damit das Auswendiglernen einzelner Wörter nahe. Häufigkeit und Struktur ins Gleichgewicht zu bringen, nennt sie eine „bleibende Herausforderung“.[1] Für Sie heißt das: Fragen Sie die Lehrkraft, mit welcher Wortliste die Klasse arbeitet und welche Wörter gerade dran sind.
Lernwörter üben
Lernwörter kommen laut bayerischem Kultusministerium aus dem Grundwortschatz, aus einem thematischen Wortschatz, aus dem eigenen Übungswortschatz des Kindes und aus den häufigsten Wörtern. Nicht jedes Wort muss geübt werden: Lernwörter dienen als Modelle für andere Wörter.[14] Wer an „Hund“ das Verlängern geübt hat, kann es bei „Wald“ und „Bild“ wieder anwenden.
Abschreiben will gelernt sein
Abschreiben klingt nach Strafarbeit, ist in den Lehrplänen aber eine eigene Übung. Bayern beschreibt sie in vier Schritten: lesen, merken, schreiben, kontrollieren.[14] Hessen nennt dieselben Teilschritte (anschauen, merken, schreiben, überprüfen) und betont, dass Abschreiben bewusst geübt werden muss.[11] In Klasse 1 und 2 sollen Kinder in Bayern „planvoll und fehlerlos“ abschreiben und Fehler durch Vergleich mit der Vorlage finden, in Klasse 3 und 4 „routiniert, zügig und fehlerlos“.[8], [9]
Zu Hause kann das so aussehen: Ihr Kind liest ein Wort oder einen kurzen Satz, prägt ihn sich ein, deckt die Vorlage ab, schreibt aus dem Gedächtnis und vergleicht danach Buchstabe für Buchstabe. Hessen nennt als Varianten dieser Übung das Dosen-, das Schleich- und das Partnerdiktat.[11] Fragen Sie die Lehrkraft, welche Form die Klasse nutzt. Dann üben Sie zu Hause im selben Ablauf, und Ihr Kind muss nicht zwischen zwei Methoden wechseln.
Mit der Wörterkartei
Für die Arbeit mit der Wörterkartei empfiehlt Bayern, die Wörter lautlich und in Silben durchzugehen, Stolper- oder Fehlerstellen zu markieren und Ableitungen aufzuschreiben.[14] Bei „Schmet-ter-ling“ wäre die Stolperstelle das doppelte t, bei „Bäume“ das äu, mit „Baum“ als Ableitung daneben. Wörter, die Ihr Kind in eigenen Texten falsch geschrieben hat, gehören mit in die Kartei.[13]
Abfragen statt nur anschauen
Für das Üben selbst gibt es Befunde aus der Lernforschung. Eine große Übersichtsarbeit von Dunlosky und Kollegen hat zehn verbreitete Lerntechniken bewertet; am besten schnitten das Abfragen und über die Zeit verteiltes Üben ab. Sie berichtet auch von älteren Studien, in denen Übungstests Kindern halfen, Rechtschreiblisten zu lernen.[15] In drei Experimenten mit 88 Viertklässlern in den USA merkten sich die Kinder mehr Wörter, wenn sie die Wörter selbst abrufen mussten, statt sie noch einmal zu lesen. Getestet wurde allerdings nach wenigen Minuten und mit Wortlisten.[16]
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Abfragen hilft nur, wenn es gelingt: In einer früheren Studie mit Viertklässlern brachte es nach fünf Tagen keinen Vorteil; die Kinder hatten beim Üben kaum etwas abrufen können.[16] Und die meisten Experimente zum verteilten Üben wurden mit Studierenden gemacht; nach der Übersichtsarbeit profitieren aber Kinder jeden Alters davon.[15] Praktisch heißt das: Üben Sie die Wörter einmal gründlich, fragen Sie sie am nächsten Tag ab, und verteilen Sie das Üben auf mehrere kurze Einheiten in der Woche, statt alles am Abend vor der Arbeit nachzuholen.
Mythos
Lernwörter einfach oft genug abschreiben, dann sitzen sie.
Was die Forschung sagt
Bloßes Wiederholen empfehlen die Ministerien nicht. Bayern und Hessen beschreiben Abschreiben als bewusste Übung in Schritten,[14], [11] und Nordrhein-Westfalen warnt davor, Wörter nur auswendig lernen zu lassen.[12] Bei Viertklässlern brachte Abfragen mehr als bloßes Wiederlesen.[16] Belastbare Studien, die das mehrfache Abschreiben von Lernwörtern direkt prüfen, sind uns nicht bekannt.
Checkliste zum Abhaken
Lernwörter zu Hause üben
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Das Diktat
Ob, wie oft und in welcher Form diktiert wird, regeln die Länder unterschiedlich.
Mythos
Diktate sind in der Grundschule abgeschafft.
Drei Beispiele zeigen, wie verschieden das ausfällt:
- Bayern: Beim klassischen Diktat wird ein unbekannter Text geschrieben. Wie oft diktiert wird, entscheidet die Lehrkraft. Auf Nachschriften, also Texte, die zu Beginn der Woche eingeführt, geübt und am Ende der Woche wortgleich geschrieben werden, verzichtet kompetenzorientierter Rechtschreibunterricht laut einem Newsletter des Kultusministeriums von 2018. Damit werde nur kurzfristiges Abspeichern erreicht.[14]
- Hamburg: In Klasse 2 soll eine Klassenarbeit zur Rechtschreibung geschrieben werden, in Klasse 3 und 4 jeweils mindestens sechs Deutscharbeiten, davon zwei zur Rechtschreibung. Die Rechtschreibarbeiten können nicht durch andere Leistungen ersetzt werden. Als Aufgaben nennt der Bildungsplan Fehlersuche, Abschreiben, Nachdenken über Schreibweisen, Arbeit mit dem Wörterbuch und das Abfragen geübter Wörter. Ein Diktat darf nicht das einzige Instrument sein; danach muss Zeit zum Prüfen bleiben, und ein Wörterbuch soll in der Regel erlaubt sein.[17]
- Nordrhein-Westfalen: Klassenarbeiten gibt es nur in Klasse 3 und 4. In Deutsch können sie auch Nachdenk- oder Korrekturaufgaben zum Rechtschreiben enthalten. Für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten gelten die Regeln des LRS-Erlasses.[2]
In den übrigen Ländern fragen Sie bei der Schule nach, zum Beispiel am ersten Elternabend des Schuljahres: Wird ein geübter oder ein unbekannter Text diktiert, darf ein Wörterbuch benutzt werden, und welche anderen Aufgaben gehören zur Rechtschreibarbeit?
Vorbereiten, ohne den Text auswendig zu lernen
Wird ein unbekannter Text diktiert, nützt es Ihrem Kind wenig, einen Übungstext auswendig zu können. Sinnvoller ist, was die Arbeit selbst verlangt: die Lernwörter und ihre Strategien in neuen Sätzen anwenden, nach dem Schreiben Wort für Wort prüfen und bei Zweifeln nachschlagen. Fehleraufmerksamkeit und das Korrigieren eigener Texte nennen die Bildungsstandards ausdrücklich als Ziel.[1]
Diktieren Sie zum Üben ruhig selbst: zwei oder drei kurze Sätze mit den Wörtern der Woche, die Ihr Kind vorher nicht gesehen hat. Danach sucht Ihr Kind seine Fehler zuerst allein, bevor Sie gemeinsam nachsehen. Ein falsches Wort wandert in die Kartei.
Was die Forschung zu Übungsformen sagt
Lohnt sich gezieltes Rechtschreibüben überhaupt, oder kommt die Rechtschreibung mit dem Lesen von selbst? Eine Metaanalyse von Graham und Santangelo (2014) hat 53 Studien mit 6.037 Kindern und Jugendlichen vom Kindergarten bis Klasse 12 ausgewertet. Ausdrücklicher Rechtschreibunterricht verbesserte die Rechtschreibung gegenüber keinem oder anderem Unterricht (Effektstärke 0,54) und gegenüber nur beiläufigem Lernen (0,43). Mehr Rechtschreibunterricht brachte mehr (0,70).[18]
Die Gewinne hielten an (0,53) und übertrugen sich auf das Schreiben eigener Texte (0,94). Auch die phonologische Bewusstheit, also das Hören und Unterscheiden von Lauten in Wörtern, und das Lesen verbesserten sich (0,51 und 0,44). Die Ergebnisse waren über Klassenstufen und Leistungsniveaus hinweg weitgehend gleich.[18]
Wir lesen daraus: Rechtschreibung stellt sich nicht einfach nebenbei ein, gezieltes Üben lohnt sich. Wie groß der Nutzen für ein deutschsprachiges Grundschulkind ist, lässt sich aus diesen Zahlen nicht genau ablesen. Bei Förderungen der phonologischen Bewusstheit zum Beispiel fielen die Effekte deutschsprachiger Programme deutlich niedriger aus als in internationalen Metaanalysen.[19]
Und „Lesen durch Schreiben“?
Um diese Methode wird viel gestritten. Bei „Lesen durch Schreiben“ nach Jürgen Reichen lernen Kinder mit einer Anlauttabelle schreiben, Fehler werden zunächst nicht korrigiert.[20] Eine Studie von Hess und Kollegen (2024) hat 507 Kinder aus 31 Klassen durch Klasse 1 und 2 begleitet und dabei die Ausgangslage der Kinder berücksichtigt. Je stärker sich die Lehrkraft an „Lesen durch Schreiben“ orientierte, desto schwächer war die Rechtschreibung der Kinder, schon ab Ende Klasse 1. Auf das Lesen hatte die Methode keinen bedeutsamen Effekt, und beim Schreiben sahen sich die Kinder positiver.[21]
In Hessen ist die Methode an öffentlichen Grundschulen nicht zulässig. Dort müssen in der Regel spätestens ab dem zweiten Halbjahr von Klasse 1 alle falsch geschriebenen Wörter gezielt korrigiert werden.[11] Andere Länder regeln das unterschiedlich. Eine klare Empfehlung für eine bestimmte Ausrichtung des Anfangsunterrichts lässt sich nach Hess und Kollegen aus dem bisherigen Forschungsstand nicht ableiten.[21] Dass die Methode den Rückgang im IQB-Bildungstrend verursacht hat, ist nicht belegt.
Fragen Sie im Zweifel in der Schule, mit welchem Lehrgang die Klasse arbeitet und ab wann Fehler korrigiert werden. Mehr zu Fibel, Anlauttabelle und den Methoden im Anfangsunterricht steht im Artikel Lesen lernen in Klasse 1.
Wenn die Fehler nicht weniger werden
Fehler gehören zum Rechtschreibenlernen dazu. Genauer hinsehen sollten Sie, wenn sie trotz regelmäßigen Übens zahlreich bleiben und deutlich häufiger sind als bei den meisten Kindern der Klasse. Der Eintrag zur Überarbeitung der Leitlinie im AWMF-Register beschreibt typische Fehler bei einer Rechtschreibstörung: bei der Groß- und Kleinschreibung, bei mehreren Mitlauten hintereinander, ausgelassene, zusätzliche oder verwechselte Buchstaben bei ähnlich klingenden Lauten und Fehler bei langen und kurzen Vokalen.[22] Solche Hinweise sind ein Anlass für eine Abklärung, kein Ergebnis.
Abwarten ist kein guter Plan. Laut Leitlinie von 2015 bleibt eine Lese- und Rechtschreibstörung ohne wirksame Förderung häufig bestehen, und Kinder mit Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen sollen schon im ersten Schuljahr gefördert werden.[23] Die Leitlinie wird derzeit überarbeitet; die Neufassung ist für den 31.10.2026 angekündigt.[22]
Für die Förderung hält die Leitlinie von 2015 fest, dass Rechtschreibtrainings Rechtschreibregeln vermitteln sollen.[23] In dieselbe Richtung weist eine Metaanalyse von Galuschka und Kollegen (2020) über 34 kontrollierte Studien mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Dyslexie oder Rechtschreibschwäche: Übungen zur Zuordnung von Buchstaben und Lauten, zu Rechtschreibregeln und zu Wortbausteinen zeigten mittlere bis hohe Effekte, für reine Merkstrategien war keine Wirkung gesichert.[24] Auch zu Hause spricht das dafür, mit Ihrem Kind an Regeln und Wortbausteinen zu arbeiten, statt nur Wörter einprägen zu lassen.
Erste Ansprechpartnerin ist die Schule. Nach den Grundsätzen der KMK gehören Diagnose, Beratung und Förderung bei besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben zu ihren Aufgaben, und Eltern sollen Hinweise bekommen, wie sie zu Hause unterstützen können.[25] Wer abklärt und welche Förderung belegt ist, erklären wir im Artikel zu LRS und Legasthenie. Ein Online-Fragebogen kann höchstens Anlass für eine fachliche Abklärung sein; welche Tests Fachleute einsetzen, steht im Beitrag zum LRS-Test.
Wann zur Fachstelle?
Lassen Sie die Rechtschreibung Ihres Kindes abklären, wenn …
- die Rechtschreibfehler trotz regelmäßigen Übens zahlreich bleiben und deutlich häufiger sind als bei den meisten Kindern der Klasse.
- sich bestimmte Fehler hartnäckig halten, etwa bei Groß- und Kleinschreibung, bei mehreren Mitlauten hintereinander oder bei langen und kurzen Vokalen.
- Ihr Kind Buchstaben für ähnlich klingende Laute oft verwechselt, auslässt oder hinzufügt.
- auch das Lesen sehr langsam und fehlerreich bleibt.
- die Lehrkraft Sie auf anhaltende Schwierigkeiten anspricht oder Ihr Kind das Schreiben zunehmend meidet.
Erste Ansprechpartner
Klassen- oder Deutschlehrkraft und Schulleitung, die schulpsychologische Beratung. Wer eine Diagnose stellt, steht im Artikel zu LRS und Legasthenie.
Quellen
Wir stützen uns bevorzugt auf Übersichtsarbeiten, Leitlinien und Angaben offizieller Stellen. Zuletzt geprüft am 12. Oktober 2026.
- [1] Kultusministerkonferenz (2022). Bildungsstandards für das Fach Deutsch Primarbereich. Beschluss vom 15.10.2004 in der Fassung vom 23.06.2022. Abgerufen am 11.10.2026. kmk.org
- [2] Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2021). Lehrplan für die Primarstufe in Nordrhein-Westfalen, Fach Deutsch. Stand 02.08.2021. Abgerufen am 11.10.2026. lehrplannavigator.nrw.de
- [3] Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Sachse, K. A., Weirich, S. & Henschel, S. (Hrsg.) (2022). IQB-Bildungstrend 2021. Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik am Ende der 4. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Münster: Waxmann. Abgerufen am 11.10.2026. doi.org
- [4] Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) (2022). IQB-Bildungstrend 2021, Zusatzmaterial Tabellen (Tab. 3.6web, Orthografie). Abgerufen am 11.10.2026. iqb.hu-berlin.de
- [5] Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) (2022). IQB-Bildungstrend 2021: Pressemappe. Abgerufen am 11.10.2026. iqb.hu-berlin.de
- [6] Kultusministerkonferenz. Überprüfung und Umsetzung von Bildungsstandards. Webseite. Abgerufen am 11.10.2026. kmk.org
- [7] Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL). Grundwortschatz Deutsch Grundschule. Webseite. Abgerufen am 11.10.2026. zsl-bw.de
- [8] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus / ISB. LehrplanPLUS Grundschule, Fachlehrplan Deutsch Jahrgangsstufe 1/2 (Lernbereich 4.4 „Richtig schreiben“). Abgerufen am 11.10.2026. lehrplanplus.bayern.de
- [9] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus / ISB. LehrplanPLUS Grundschule, Fachlehrplan Deutsch Jahrgangsstufe 3/4. Abgerufen am 11.10.2026. lehrplanplus.bayern.de
- [10] Hamburger Bildungsserver. Grundschule Deutsch (Abschnitt Basiswortschatz). Abgerufen am 11.10.2026. bildungsserver.hamburg.de
- [11] Hessisches Kultusministerium (2022). Handreichung zum Grundwortschatz Hessen. 2. unveränderte Auflage, Juni 2022. Abgerufen am 11.10.2026. kultus.hessen.de
- [12] QUA-LiS NRW. Grundwortschatz NRW. Webseite. Abgerufen am 11.10.2026. qua-lis.nrw.de
- [13] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus / ISB. LehrplanPLUS Grundschule, Fachprofil Deutsch. Abgerufen am 11.10.2026. lehrplanplus.bayern.de
- [14] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (2018). Grundschul-Newsletter Nr. 6/2018: Welchen Stellenwert haben Nachschriften und Diktate im LehrplanPLUS Grundschule? Abgerufen am 11.10.2026. isb.bayern.de
- [15] Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students’ learning with effective learning techniques: Promising directions from cognitive and educational psychology. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. doi.org
- [16] Karpicke, J. D., Blunt, J. R., & Smith, M. A. (2016). Retrieval-based learning: Positive effects of retrieval practice in elementary school children. Frontiers in Psychology, 7, 350. doi.org
- [17] Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg (2022). Bildungsplan Grundschule, Teil C: Leistungsbewertung. Abgerufen am 11.10.2026. hamburg.de
- [18] Graham, S. & Santangelo, T. (2014). Does spelling instruction make students better spellers, readers, and writers? A meta-analytic review. Reading and Writing, 27(9), 1703–1743. doi.org
- [19] Wolf, K. M., Schroeders, U. & Kriegbaum, K. (2016). Metaanalyse zur Wirksamkeit einer Förderung der phonologischen Bewusstheit in der deutschen Sprache. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 30(1), 9–33. doi.org
- [20] Hess, M., Denn, A.-K., Kirschhock, E.-M., Lorenz-Krause, A. & Lipowsky, F. (2020). Effekte der Konzeption „Lesen durch Schreiben“ auf verschiedene Teilbereiche lauttreuer und orthografischer Verschriftung in der Mitte des ersten Schuljahres. Zeitschrift für Grundschulforschung, 13(2), 317–337. doi.org
- [21] Hess, M., Denn, A.-K., Widmer, A.-K. & Lipowsky, F. (2024). Die Rolle der Konzeption ‚Lesen durch Schreiben‘ für Rechtschreib- und Leseleistungen, Selbstkonzept und Lernfreude im ersten und zweiten Schuljahr. Zeitschrift für Grundschulforschung, 17(2), 383–403. doi.org
- [22] AWMF-Leitlinienregister (2025). Registernummer 028-044, Anmeldung: S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung bei der Lese- und/oder Rechtschreibstörung (Überarbeitung). Anmeldedatum 23.06.2025, geplante Fertigstellung 31.10.2026. Abgerufen am 04.10.2026. register.awmf.org
- [23] Schulte-Körne, G. & Galuschka, K. (Koordination) (2015). Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung. Evidenz- und konsensbasierte Leitlinie (S3). AWMF-Registernummer 028-044. Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP). Letzte inhaltliche Überarbeitung 23.04.2015, gültig bis 22.04.2020. Abgelaufen und in Überarbeitung, Neufassung für den 31.10.2026 angekündigt. Abgerufen am 04.10.2026. register.awmf.org
- [24] Galuschka, K., Görgen, R., Kalmar, J., Haberstroh, S., Schmalz, X. & Schulte-Körne, G. (2020). Effectiveness of spelling interventions for learners with dyslexia: A meta-analysis and systematic review. Educational Psychologist, 55(1), 1–20. doi.org
- [25] Kultusministerkonferenz (2007). Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben oder im Rechnen. Beschluss vom 04.12.2003 in der Fassung vom 15.11.2007. Abgerufen am 04.10.2026. kmk.org
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Hat Pädagogik und Informatik studiert. Schreibt hier über den Forschungsstand zum Lernen und prüft digitale Lernhilfen technisch, bevor sie hier erwähnt werden.
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