Lesen & Schreiben Klasse 1–4

Schreibschrift und Füller: welche Schrift Ihr Kind lernt und welcher Füller passt

Lateinische, Vereinfachte, Schulausgangsschrift oder Grundschrift: Was Länder und Schulen vorgeben, was die Forschung zur Handschrift sagt, wann eine unleserliche Schrift abgeklärt werden sollte und worauf es beim ersten Füller ankommt.

Kurz gesagt

  • Die KMK legt keine bestimmte Schrift fest: Wichtiger als die Schriftform ist die Qualität des Unterrichts. Was gilt, regeln Land und Schule.
  • „Verbunden“ heißt nach der KMK nicht, dass jeder Buchstabe auf dem Papier verbunden ist. Erwachsene verbinden meist nur zwei, höchstens drei Buchstaben sichtbar, und fertig ist die eigene Handschrift erst im frühen Erwachsenenalter.
  • Dass ein Füller die Handschrift verbessert, ist nicht belegt. Die KMK schreibt kein Schreibgerät vor; ob Ihr Kind einen Füller braucht, fragen Sie an der Schule nach.
  • Linkshändige Kinder behalten ihre Schreibhand. Laut KMK helfen ein nach rechts geneigtes Blatt, Licht von rechts oder vorn und ein Platz links neben einem rechtshändigen Kind.
Inhalt dieses Artikels
  1. Drei Schreibschriften und die Grundschrift
  2. Welche Schrift Ihr Kind lernt
  3. Was die Forschung zur Handschrift sagt
  4. Wenn die Schrift unleserlich ist
  5. Füller, Tintenroller oder Bleistift
  6. Linkshänder

Drei Schreibschriften und die Grundschrift

In fast allen Bundesländern lernen Kinder zuerst eine Druckschrift. Die Kultusministerkonferenz (KMK) begründet das so: Jeder Buchstabe steht klar für sich, und Kinder kennen Druckbuchstaben aus Büchern und von Schildern.[1] Danach beginnt der Weg zu einer verbundenen Handschrift, und hier unterscheiden sich die Schulen.

Für diesen zweiten Schritt gibt es drei klassische Schreibschriften, sogenannte Ausgangsschriften, und die Grundschrift. Oft ist von „vier Ausgangsschriften“ die Rede. Die Grundschrift versteht sich aber nicht als weitere verbundene Vorlage: Die Kinder entwickeln ihre Handschrift direkt aus einer handgeschriebenen Druckschrift, ohne eine zweite Schrift zu lernen.[2]

Schrift Herkunft Merkmal
Lateinische Ausgangsschrift (LA) Seit den 1950er-Jahren in Gebrauch. Laut Grundschulverband 1953 per KMK-Beschluss bundesweit eingeführt, in Bayern erst 1966, entwickelt vom „Iserlohner Schreibkreis“ Verbindet alle Buchstaben, dadurch viele Richtungswechsel, etwa durch die Aufstriche bei a und d
Schulausgangsschrift (SAS) 1968 in der DDR von Renate Tost entwickelt, seit 1991 auch in westdeutschen Ländern verbreitet Großbuchstaben an die Druckschrift angelehnt
Vereinfachte Ausgangsschrift (VA) In den 1970er-Jahren von Heinrich Grünewald entwickelt Großbuchstaben an die Druckschrift angelehnt; jeder Kleinbuchstabe beginnt und endet an der Mittellinie
Grundschrift Vom Grundschulverband im Mai 2010 offiziell vorgestellt Handgeschriebene Druckschrift, aus der die Kinder ihre eigene verbundene Handschrift entwickeln

Angaben nach der KMK-Vereinbarung von 2024 und einer Veröffentlichung des Grundschulverbands.[1], [2]

Jede dieser Schriften hat Schwächen, und die KMK benennt sie selbst. Bei der LA hemmen die vielen Richtungswechsel nach ihrer Darstellung den Schreibfluss. Bei der VA entsteht an der Mittellinie ein Bewegungsstopp, und e, s und z werden oft unleserlich.[1] Die Grundschrift erspart den Wechsel zu einer zweiten Vorlage. Verbindungen und Schreibmotorik müssen aber auch hier intensiv geübt werden, begleitet von „Schriftgesprächen“ in der Klasse.[1]

Für Eltern ist ein Punkt wichtiger als die Unterschiede: Die KMK versteht keine dieser Schriften als Normschrift, die exakt nachgeschrieben werden muss. Sie ist eine Vorlage zur Orientierung. Entscheidend sei weniger die Schriftform als die kontinuierliche Begleitung im Unterricht.[1]

Mythos

Verbunden schreiben heißt, jeden Buchstaben mit dem nächsten zu verbinden.

Was die Forschung sagt

Nach dem Konzept der KMK von 2024 ist jede flüssige Schrift motorisch verbunden. Die Verbindung muss aber nicht als durchgehende Linie auf dem Papier zu sehen sein, sie kann auch in der Luft stattfinden. Die voll entwickelte Handschrift Erwachsener verbindet laut KMK in der Regel nicht mehr als zwei, höchstens drei Buchstaben sichtbar.[1]

Eine Studie mit 322 Viertklässlern in Deutschland passt dazu: Viele Kinder entwickelten sich unabhängig von der gelernten Ausgangsschrift zu teilverbundenen Schriften, und gerade diese zeigten einen hohen Grad an Automatisierung.[3] Sachsen hat das in seinen Lehrplan übernommen. Ziel in Klasse 4 ist dort eine flüssige, leserliche Handschrift, „nicht zwingend als verbundene Schreibspur auf dem Papier“.[4]

Welche Schrift Ihr Kind lernt

Eine bestimmte Schrift schreibt die KMK nicht vor. Die Bildungsstandards Deutsch für die Grundschule verlangen am Ende von Klasse 4 eine „leserliche Handschrift“, das Wort „verbunden“ steht dort nicht. Außerdem sollen Kinder Buchstaben, Wörter und kurze Sätze „flüssig“ schreiben, also zügig, sicher und korrekt.[5] Der Maßstab heißt also leserlich und flüssig.

In ihrer Vereinbarung zur Arbeit in der Grundschule vom März 2024 nennt die KMK eine verbundene Handschrift eine „elementare Kulturtechnik“. Eine Übergangsschrift „kann“ dabei helfen. Maßgeblicher als die gewählte Schriftform sei aber die Qualität des Handschreibunterrichts.[1]

Was tatsächlich unterrichtet wird, regeln die Länder unterschiedlich. Manche lassen nur bestimmte Schriften zu, andere überlassen die Wahl den Schulen. Die Tabelle zeigt die Vorgaben von neun Ländern.

Land Was die Vorgabe sagt Grundlage
Baden-Württemberg Aus der Druckschrift eine verbundene Schrift. Die Grundschulen wählen zwischen LA und VA, die Grundschrift ist nicht vorgesehen. Bildungsplan 2016; Festlegung des Kultusministeriums von 2017 (ob sie unverändert gilt, bei der Schule erfragen)[6], [7]
Bayern Erst Druckschrift, dann VA oder SAS. Im Modellversuch „FlowBY“ verzichten 43 Grundschulen ganz auf eine Schreibschrift. LehrplanPLUS; Modellversuch seit 2024/25[8], [9]
Berlin, Brandenburg Erst unverbundene Druckschrift, dann eine verbundene Schrift. Keine bestimmte vorgegeben, sie soll formklar, leicht zu lernen und gut lesbar sein. Rahmenlehrplan 2023, gültig in Brandenburg ab 01.08.2023, in Berlin ab 01.08.2024[10]
Hamburg Erstschrift ist Druckschrift oder Grundschrift. Danach entweder die SAS als Übergangsschrift oder Verbindungen der Grundschrift. Bildungsplan 2022[11]
Hessen Als verbundene Schreibschrift sind nur SAS oder VA zulässig. Seit dem Schuljahr 2022/23, Maßnahmenpaket Bildungssprache Deutsch (Seite ohne Datum)[12]
Niedersachsen Erst eine unverbundene Erstschrift, dann eine verbundene Schrift, zum Beispiel SAS, VA, LA oder Grundschrift. Absprachen trifft die Fachkonferenz der Schule. Kerncurriculum 2025, in Kraft seit 01.08.2025[13]
Nordrhein-Westfalen Ausgangsschrift ist die Druckschrift, daraus entwickeln die Kinder eine gut lesbare verbundene Handschrift. Eine bestimmte verbundene Schrift nennt der Lehrplan nicht. Lehrplan 2021[14]
Sachsen Druckschrift als Erstschrift, dann systematisch die SAS als Übergangsschrift. Lehrplan, in Kraft seit 01.08.2025[4]
Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen Bei der Schule erfragen keine

Stand Oktober 2026. Welche Schrift Ihr Kind lernt, legt die Schule fest. Fragen Sie dort nach.

Zu Nordrhein-Westfalen: Dass die Schulen selbst entscheiden, auch zwischen LA, VA, SAS und Grundschrift, hat die Landesregierung 2019 geantwortet, also vor dem heutigen Lehrplan.[15] Der Lehrplan von 2021 legt aber ebenfalls keine bestimmte Schrift fest.[14]

Bayern erprobt seit dem Schuljahr 2024/25 im Modellversuch „FlowBY“, ob es ohne Schreibschrift geht: Die Kinder entwickeln ihre Handschrift direkt aus der Druckschrift. Auftraggeber ist das Kultusministerium, wissenschaftlich begleiten den Versuch die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt und die Universität Regensburg, mit Messungen von Klasse 2 bis 4.[9] Ergebnisse stehen noch aus.

Die KMK verlangt außerdem, dass Schulen Eltern verlässlich darüber informieren, wie sie den Handschreibunterricht gestalten, vom Weg von der Druckschrift zur eigenen Handschrift bis zu den Fördermöglichkeiten.[1] Der erste Elternabend ist eine gute Gelegenheit, danach zu fragen.

Was die Forschung zur Handschrift sagt

Welche Schrift besser ist

Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. In einem Vergleich der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg wurden Texte von 277 Viertklässlern aus 15 Klassen im Raum Stuttgart ausgewertet. Die Grundschrift war leserlicher als die VA und gegenüber der LA „mindestens ebenbürtig“. Die Rechtschreibung unterschied sich zwischen den drei Schriften kaum.[16]

Die Forschenden nennen selbst Grenzen: Die Unterschiede waren teils nur in einem von zwei Rechenmodellen signifikant, und untersucht wurden fertige Texte, nicht der Schreibprozess.[16] Zudem ist es ein Forschungsbericht, der nicht von unabhängigen Fachleuten begutachtet wurde. Das Kultusministerium Baden-Württemberg schrieb 2017, die vorliegenden Studien rechtfertigten keine Pflicht für das eine oder andere Schriftkonzept.[7]

In der Studie mit 322 Viertklässlern spielte auch die Klasse eine Rolle, in der ein Kind lernte.[3] Das passt zur Linie der KMK: Wichtiger als die Schrift ist der Unterricht.

Wie viele Kinder Probleme haben

Häufig zitiert wird die STEP-Studie, eine Online-Befragung von Lehrkräften durch das Schreibmotorik Institut zusammen mit dem Verband Bildung und Erziehung (VBE). Für die Ausgabe 2022 antworteten 841 Lehrkräfte, 517 davon aus dem Primarbereich.[17] Nach Einschätzung der Grundschullehrkräfte hatten im Schuljahr 2020/21 im Mittel 35 Prozent ihrer Kinder Probleme, eine gut lesbare, flüssige Handschrift zu entwickeln, bei den Jungen 42 Prozent, bei den Mädchen 28 Prozent.[17]

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Gemessen wurde die Einschätzung der Lehrkräfte, nicht die Schrift der Kinder.[17] Und das Institut wird vom Stifthersteller STABILO unterstützt, nach eigener Darstellung aber unabhängig und gemeinnützig. Das schreibt der Deutsche Lehrerverband, der Partner der ersten Umfrage 2015 war.[18] Die Zahlen zeigen also, dass viele Lehrkräfte ein Problem sehen, nicht, wie gut die Kinder tatsächlich schreiben.

Die Stifthaltung

Bei 120 Viertklässlern in Kanada hatte keine der vier reifen Stifthaltungen einen Einfluss auf Tempo oder Leserlichkeit, also nicht nur der bekannte Dreipunktgriff.[19] Ein Grund, einen sicheren Griff umzugewöhnen, ergibt sich daraus nicht. Fällt der Lehrkraft eine ungünstige Haltung auf, sprechen Sie mit ihr darüber. Der Bildungsplan in Baden-Württemberg etwa verlangt ausdrücklich, darauf zu achten.[6]

Hand oder Tastatur

Oft heißt es, wer mit der Hand schreibe, lerne besser als am Computer. Die bekannten Studien dazu stammen von jüngeren oder älteren Teilnehmenden, und gemessen wurde Unterschiedliches:

  • Vorschulkinder von drei bis fünf Jahren in Frankreich: Wer drei Wochen lang Buchstaben mit der Hand abschrieb, erkannte sie danach besser als Kinder, die sie tippten. Das galt aber nur für die älteren Kinder der Gruppe.[20]
  • Fünfjährige in den USA, die noch nicht lesen konnten: Ein „Lesenetzwerk“ im Gehirn wurde beim Betrachten von Buchstaben nur aktiv, wenn sie diese vorher mit der Hand geschrieben hatten, nicht nach Tippen oder Nachfahren. Gemessen wurde Hirnaktivität, nicht das Lesenlernen.[21]
  • Zwölfjährige und junge Erwachsene in Norwegen: Eine EEG-Studie mit je zwölf Teilnehmenden maß die Hirnaktivität beim Schreiben mit einem digitalen Stift und beim Tippen. Eine Lernleistung wurde nicht gemessen.[22]
  • Studierende in den USA: In der bekannten Studie „Der Stift ist mächtiger als die Tastatur“ von 2014 schnitten Studierende, die in Vorlesungen auf dem Laptop mitschrieben, bei Verständnisfragen schlechter ab.[23] Zwei direkte Wiederholungen von 2019 und 2021 fanden keinen klaren Vorteil für das Mitschreiben von Hand.[24], [25]

Eine Studie, die bei Grundschulkindern das Lernen mit der Hand und an der Tastatur direkt vergleicht, ist uns nicht bekannt. Die Bildungsstandards verlangen ohnehin beides: eine leserliche Handschrift und Schreiben mit digitalen Werkzeugen.[5] Digitales Schreiben soll den Handschreibunterricht nach der KMK ergänzen, nicht ersetzen.[1]

Wenn die Schrift unleserlich ist

Zur Einordnung zuerst: Die Handschrift ist am Ende der Grundschule nicht fertig. Nach der KMK ist die Entwicklung einer eigenen, verbundenen Handschrift erst im frühen Erwachsenenalter abgeschlossen.[1] Sprechen Sie bei Sorgen zuerst mit der Lehrkraft. Sie sieht die Schrift Ihres Kindes im Vergleich mit der ganzen Klasse.

Unleserliche Schrift und Rechtschreibfehler sind zwei verschiedene Dinge. Geht es vor allem um falsch geschriebene Wörter, finden Sie mehr im Artikel zu LRS und Legasthenie.

Was Sie zu Hause tun können

Die folgenden Punkte sind praktische Hinweise, kein untersuchtes Förderprogramm:

  • Fragen Sie, welche Schrift und welche Lineatur die Klasse benutzt, und üben Sie mit denselben Vorlagen.
  • Achten Sie auf Leserlichkeit und Tempo, nicht auf Schönheit. Das ist auch der Maßstab der Bildungsstandards.
  • Lassen Sie es gelten, wenn Ihr Kind nicht jeden Buchstaben verbindet.
  • Geben Sie Anlässe zum Schreiben, die einen Zweck haben: den Einkaufszettel, eine Karte an die Großeltern, eine Nachricht an die Kühlschranktür.

Wenn mehr dahintersteckt

Die deutsch-österreichisch-schweizerische S3-Leitlinie zu Umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF) von 2020 nennt das Schreiben als den Bereich, der bei dieser Störung meist beeinträchtigt ist: langsam, ungenau oder unleserlich, mit Folgen für die Schulleistung. Am häufigsten werden in der Literatur 5 bis 6 Prozent betroffene Kinder genannt.[26] Die Leitlinie war nur bis zum 31.05.2025 gültig.

Für eine Diagnose verlangt die Leitlinie unter anderem, dass die motorischen Fähigkeiten deutlich unter dem liegen, was im Alter des Kindes zu erwarten wäre, und Alltag oder Schule erheblich und andauernd beeinträchtigen. Gestellt wird sie in Deutschland von einer Ärztin oder einem Arzt.[26] Bei Schreibschwierigkeiten dieser Kinder empfiehlt die Leitlinie, gezielt an den Tätigkeiten selbst zu üben und zusätzlich das Schreiben auf der Tastatur zu lernen.[26]

Zur Kostenfrage: Eine „Lese- und Rechtschreibschwäche“ und andere isolierte Lernstörungen sind nach der Heilmittel-Richtlinie keine Grundlage für ärztlich verordnete Heilmittel wie Ergotherapie.[27] Eine unleserliche Schrift allein ist also kein Rezept für Ergotherapie, eine motorische Entwicklungsstörung kann es sein. Der Heilmittelkatalog nennt Ergotherapie bei der Diagnosegruppe „ZNS-Erkrankungen (Gehirn), Entwicklungsstörungen“, als Leitsymptom unter anderem die Kontrolle von Grob- und Feinmotorik und Koordination.[27]

In der Schule sieht die KMK für Kinder mit ausgeprägten motorischen Problemen ein individuelles Angebot eines Nachteilsausgleichs vor.[1] Wie das an der Schule Ihres Kindes aussieht, erfahren Sie bei der Klassenleitung.

Wann abklären lassen?

Bleibt die Schrift trotz Übung sehr langsam oder unleserlich und fallen auch andere Bewegungen schwer, kann eine kinderärztliche Abklärung sinnvoll sein. Anlässe können sein:

  • Die Schrift bleibt trotz Übung über lange Zeit sehr langsam, ungenau oder unleserlich.
  • Ihrem Kind fallen auch andere Bewegungen schwer, nicht nur das Schreiben.
  • Die Schwierigkeiten beeinträchtigen Schule oder Alltag erheblich und andauernd.
  • Es ist unklar, welche Hand Ihr Kind bevorzugt, oder es wurde auf die andere Hand umgewöhnt.

Erste Ansprechpartner

Klassenlehrkraft, denn die Schule soll Eltern über ihren Handschreibunterricht und über Fördermöglichkeiten informieren; Kinder- und Jugendarztpraxis, denn die Diagnose einer motorischen Entwicklungsstörung stellt in Deutschland eine Ärztin oder ein Arzt; bei unklarer Händigkeit Fachleute, die die Handdominanz feststellen.[1], [26]

Füller, Tintenroller oder Bleistift

Spätestens mit der Materialliste der Schule stellt sich die Frage nach dem Füller. Ob Ihr Kind einen Füller braucht, steht in der Materialliste der Schule. Die KMK macht keine Vorgabe zum Schreibgerät. Sie verlangt nur, dass die Materialien zu den schreibmotorischen Bedürfnissen des Kindes passen und einen durchgängigen Linienfluss erlauben.[1] In Hamburg wählen ausdrücklich die Lehrkräfte Schreibgeräte, Schreibblätter und Lineaturen nach diesen Bedürfnissen aus.[11]

Ob und ab wann in der Klasse Ihres Kindes mit Füller, Tintenroller oder Bleistift geschrieben wird, fragen Sie an der Schule nach. Kaufen Sie erst, wenn Sie das wissen. Studien, die diese Schreibgeräte bei Grundschulkindern vergleichen, sind uns nicht bekannt.

Mythos

Mit dem Füller schreibt mein Kind schöner.

Was die Forschung sagt

Dass der Füller die Handschrift verbessert, ist nicht belegt, weder bei Grundschulkindern noch bei älteren Schülerinnen und Schülern. Ebenso wenig ist belegt, dass er nichts bringt.

Weder die KMK noch die oben genannten Lehrpläne verlangen einen Füller.[1] Der Maßstab der Bildungsstandards heißt „leserlich“ und „flüssig“, ein Schreibgerät nennen sie dafür nicht.[5]

Worauf es beim ersten Füller ankommt

Verlangt die Schule einen Füller, helfen die folgenden Kriterien. Wir haben keinen der genannten Füller selbst getestet. Die Angaben stammen von den Herstellern (Stand 04.10.2026).[28], [29] Die beiden Modelle sind Beispiele, keine Auswahl nach Qualität und keine Kaufempfehlung.

Darauf kommt es an So prüfen Sie es Beispiele laut Hersteller
Variante für die Schreibhand Für ein linkshändiges Kind gezielt nach einer Linkshänder-Variante oder Linkshänder-Feder suchen. Pelikano junior (Pelikan): Rechts- und Linkshänder-Variante. LAMY abc: Federstärke LH für Linkshänder.
Federstärke Auf der Packung nachsehen, welche Feder eingesetzt ist, und fragen, ob die Schule eine Feder vorgibt. Pelikano junior: Edelstahlfeder in Stärke A oder L. LAMY abc: F, LH oder A.
Passt zur Hand Ihres Kindes Ihr Kind schreibt vor dem Kauf einige Zeilen und sagt, ob es den Füller entspannt halten kann. Pelikano junior: Soft-Griffzone. LAMY abc: 12 g, 133 mm lang.
Durchgängiger Linienfluss Beim Probeschreiben darauf achten, ob die Linie ohne Aussetzer läuft. Keine Herstellerangabe
Patronen Die Patronen nehmen, die der Hersteller nennt. Pelikano junior: Großraumtintenpatrone. LAMY abc: Patrone LAMY T 10, Konverter Z 28 als Zubehör.
Preis Zum Kaufzeitpunkt vergleichen, Preise ändern sich. LAMY abc: 15,90 € im LAMY-Shop (Variante blau, Stand 04.10.2026). Pelikan nennt auf der Herstellerseite keinen Preis.

Liegt zu Hause schon ein Füller, etwa von einem älteren Geschwisterkind, prüfen Sie ihn nach denselben Punkten, bevor Sie einen neuen kaufen.

Linkshänder

Etwa jeder zehnte Mensch ist Linkshänder. Eine Metaanalyse fand je nach Kriterium 9,3 bis 18,1 Prozent, als beste Gesamtschätzung 10,6 Prozent.[30] Untersucht wurde die Bevölkerung weltweit, nicht speziell Grundschulkinder.

Die KMK verlangt, dass Kinder ihre dominante Hand behalten. Linkshändige Kinder brauchen nach ihrer Darstellung fachkundige Begleitung, weil sich ihre Schreibbewegung grundlegend unterscheidet: Sie schieben den Stift, statt ihn zu ziehen.[1] Für die Praxis nennt die KMK mehrere Punkte, die Sie zum Teil auch zu Hause umsetzen können:[1]

  • Blattlage: Das Blatt liegt nach rechts geneigt, die Hand wird unter der Zeile geführt. So verwischt und verdeckt Ihr Kind das Geschriebene nicht. Die sogenannte „Hakenhand“ nennt die KMK eine vermeidbare Folge einer falschen Blattlage.
  • Sitzplatz: In der Klasse sitzt ein linkshändiges Kind am besten links neben einem rechtshändigen oder neben einem anderen linkshändigen Kind.
  • Licht: Es kommt am besten von rechts oder von vorn. Wie Sie das am Schreibtisch zu Hause umsetzen, steht im Artikel zum Lernplatz.
  • Material: Die KMK nennt eigene Linkshänder-Ausführungen von Schere, Anspitzer, Schreibtischauflage, Lineal und Füller.

Ist unklar, welche Hand Ihr Kind bevorzugt, oder wurde es auf die andere Hand umgewöhnt, sollen Schulen Eltern auf Fachleute hinweisen, die die Handdominanz feststellen.[1] Sprechen Sie in diesem Fall die Klassenleitung an.

Checkliste zum Abhaken

Schreiben mit links

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Quellen

Wir stützen uns bevorzugt auf Übersichtsarbeiten, Leitlinien und Angaben offizieller Stellen. Zuletzt geprüft am 4. Oktober 2026.

  1. [1] Kultusministerkonferenz (2024). Vereinbarung zur Arbeit in der Grundschule. Beschluss vom 15.03.2024, mit Anlage 2 „Konzept zur Vermittlung einer verbundenen Handschrift“. kmk.org
  2. [2] Scholz, R. (ohne Jahr, veröffentlicht 2017). Ausgangsschriften im Wandel. Teil 1: Historische Entwicklung und konzeptionelle Grundlagen. Grundschulverband, Verbandspublikation. grundschulverband.de
  3. [3] Odersky, E., Speck-Hamdan, A., Lenzgeiger, B., Stark, M. & Lohrmann, K. (2023). Das Konstrukt der Verbundenheit und seine Bedeutung für das Handschreiben. Zeitschrift für Grundschulforschung, 16(2). doi.org
  4. [4] Sächsisches Staatsministerium für Kultus, LaSuB (ohne Datum). Lehrplan Grundschule Deutsch. Fachlehrplan in Kraft seit 01.08.2025. schulportal.sachsen.de
  5. [5] Kultusministerkonferenz (2022). Bildungsstandards für das Fach Deutsch Primarbereich. Beschluss vom 15.10.2004 in der Fassung vom 23.06.2022. kmk.org
  6. [6] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (2016). Bildungsplan 2016 Grundschule, Deutsch, 3.1.1.2 Texte verfassen – Handschrift entwickeln, Klassen 1/2. bildungsplaene-bw.de
  7. [7] Landtag von Baden-Württemberg (2017). Drucksache 16/1448, Antrag der SPD und Stellungnahme des Kultusministeriums, 26.01.2017. landtag-bw.de
  8. [8] ISB Bayern (ohne Datum). LehrplanPLUS Grundschule, Deutsch, Fachprofil. lehrplanplus.bayern.de
  9. [9] Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (2025). Braucht es die Schreibschrift noch? Modellprojekt zum einphasigen Schrifterwerb. Pressemeldung, auf idw veröffentlicht am 19.03.2025. ku.de
  10. [10] Senatsverwaltung Berlin und Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg (2023). Rahmenlehrplan Teil C Deutsch, Jahrgangsstufen 1–10. berlin.de
  11. [11] Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (2022). Bildungsplan Grundschule, Deutsch. hamburg.de
  12. [12] Hessisches Kultusministerium (ohne Datum). Maßnahmenpaket zur Stärkung der Bildungssprache Deutsch. kultus.hessen.de
  13. [13] Niedersächsisches Kultusministerium (2025). Kerncurriculum für die Grundschule, Schuljahrgänge 1–4, Deutsch. In Kraft seit 01.08.2025. cuvo.nibis.de
  14. [14] Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2021). Lehrplan für die Primarstufe in Nordrhein-Westfalen, Fach Deutsch. RdErl. vom 01.07.2021. lehrplannavigator.nrw.de
  15. [15] Landtag Nordrhein-Westfalen (2019). Drucksache 17/7509, Antwort der Landesregierung, 27.09.2019. landtag.nrw.de
  16. [16] Mesch, B., Barkow, I. & Wild, S. (2019). Effekte der Handschrift auf die Leserlichkeit und Schreibkompetenz – Ein empirischer Vergleich zwischen Grundschrift, LA und VA. Forschungsbericht, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, nicht begutachtet. phbl-opus.phlb.de
  17. [17] Schreibmotorik Institut e. V. in Kooperation mit dem VBE (2022). STEP 2022. Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben, 31.05.2022, Ergebnisfolien. Online-Befragung von Lehrkräften; das Institut wird vom Schreibgeräte-Hersteller STABILO unterstützt. schreibmotorik-institut.com
  18. [18] Deutscher Lehrerverband (26.02.2019 und 01.04.2015). Meldungen zum Stichwort „Schreibmotorik“. lehrerverband.de
  19. [19] Schwellnus, H. u. a. (2012). Effect of pencil grasp on the speed and legibility of handwriting in children. American Journal of Occupational Therapy, 66(6), 718–726. doi.org
  20. [20] Longcamp, M., Zerbato-Poudou, M.-T. & Velay, J.-L. (2005). The influence of writing practice on letter recognition in preschool children: a comparison between handwriting and typing. Acta Psychologica, 119(1), 67–79. doi.org
  21. [21] James, K. H. & Engelhardt, L. (2012). The effects of handwriting experience on functional brain development in pre-literate children. Trends in Neuroscience and Education, 1(1), 32–42. doi.org
  22. [22] Askvik, E. O., van der Weel, F. R. & van der Meer, A. L. H. (2020). The Importance of Cursive Handwriting Over Typewriting for Learning in the Classroom: A High-Density EEG Study of 12-Year-Old Children and Young Adults. Frontiers in Psychology, 11, 1810. doi.org
  23. [23] Mueller, P. A. & Oppenheimer, D. M. (2014). The pen is mightier than the keyboard: advantages of longhand over laptop note taking. Psychological Science, 25(6), 1159–1168. doi.org
  24. [24] Morehead, K., Dunlosky, J. & Rawson, K. A. (2019). How Much Mightier Is the Pen than the Keyboard for Note-Taking? A Replication and Extension of Mueller and Oppenheimer (2014). Educational Psychology Review, 31, 753–780. doi.org
  25. [25] Urry, H. L. u. a. (2021). Don’t Ditch the Laptop Just Yet: A Direct Replication of Mueller and Oppenheimer’s (2014) Study 1 Plus Mini Meta-Analyses Across Similar Studies. Psychological Science, 32(3), 326–339. doi.org
  26. [26] AWMF-Register Nr. 022/017 (2020). Deutsch-österreichisch-schweizerische S3-Versorgungsleitlinie zu Definition, Diagnostik, Behandlung und psychosozialen Aspekten bei Umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF), Langfassung. Gültig bis 31.05.2025, Gültigkeit abgelaufen. register.awmf.org
  27. [27] Gemeinsamer Bundesausschuss (2025). Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL), zuletzt geändert am 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025, Anlage 1 und Heilmittelkatalog Ergotherapie, Diagnosegruppe EN1. g-ba.de
  28. [28] Pelikan (ohne Datum). Pelikano junior. Herstellerseite, abgerufen 04.10.2026. pelikan.com
  29. [29] LAMY (ohne Datum). LAMY abc Füllhalter. Herstellerseite mit Shop, abgerufen 04.10.2026. lamy.com
  30. [30] Papadatou-Pastou, M. u. a. (2020). Human handedness: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 146(6), 481–524. doi.org
  31. [31] BMBWF Österreich (2023). Rundschreiben Nr. 35/2022: Österreichische Schulschrift; Information über die Neuerungen ab SJ 23/24, genehmigt am 23.01.2023. rundschreiben.bmbwf.gv.at

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Hat Pädagogik und Informatik studiert. Schreibt hier über den Forschungsstand zum Lernen und prüft digitale Lernhilfen technisch, bevor sie hier erwähnt werden.

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