Lernen lernen Faktencheck Klasse 1–4

Konzentration bei Kindern: Was normal ist, was hilft und wann Sie es abklären lassen

Minutentabellen, Übungsblätter, Globuli: Zur Konzentration von Grundschulkindern kursiert viel. Wir zeigen, was davon belegt ist, was nur weitererzählt wird und wann Sie Ihr Kind in der Kinder- und Jugendarztpraxis vorstellen sollten.

Kurz gesagt

  • Feste Minutenwerte pro Lebensjahr haben keine wissenschaftliche Grundlage. Belegt ist, dass Aufmerksamkeit und Selbststeuerung über die ganze Kindheit weiter reifen.
  • Genug Schlaf, Bewegung und ein Frühstück hängen mit besserem Lernen zusammen, die Effekte sind aber meist klein. Mit der Daueraufmerksamkeit in Tests hing die Schlafdauer bei Schulkindern nicht zusammen.
  • Konzentrations- und Gedächtnistrainings verbessern vor allem das Geübte. Für Brain-Gym, Bach-Blüten und Globuli gibt es keine verlässlichen Wirksamkeitsbelege.
  • Ist Ihr Kind häufiger unkonzentriert und Sie wissen nicht, warum, ist die Kinder- und Jugendarztpraxis die erste Anlaufstelle. Zur Abklärung gehört auch, Sehen und Hören zu prüfen.
Inhalt dieses Artikels
  1. Wie lange sich Kinder konzentrieren können
  2. Was die Konzentration stört
  3. Was hilft und wie gut es belegt ist
  4. Konzentrationstrainings und Apps
  5. Faktencheck: Brain-Gym, Bach-Blüten, Globuli
  6. Wann Sie es abklären lassen sollten

Wie lange sich Kinder konzentrieren können

Wer nach der Konzentrationsspanne von Kindern sucht, stößt schnell auf eine Faustregel: Ein Kind könne sich so viele Minuten am Stück konzentrieren, wie es Jahre alt ist, mal zwei. Dazu kursieren Tabellen mit festen Minutenwerten je Altersstufe, mitunter mit dem Hinweis, das hätten Studien gezeigt.

Mythos

Ein Kind kann sich so viele Minuten konzentrieren, wie es Jahre alt ist, mal zwei.

Was die Forschung sagt

Für diese Regel gibt es keinen Studienbeleg. Schon die Varianten passen nicht zusammen: Je nach Quelle heißt es Lebensalter mal eins, mal zwei, mal zwei bis drei oder mal drei bis fünf.

Belegt ist etwas Allgemeineres. Die Fähigkeiten, die Fachleute exekutive Funktionen nennen, also Impulse bremsen, Dinge im Kopf behalten und zwischen Aufgaben umschalten, zeigen sich schon in den ersten Lebensjahren. Sie werden aber während der ganzen Kindheit und Jugend noch deutlich stärker, und die einzelnen Teilfähigkeiten entwickeln sich unterschiedlich schnell.[1]

Wie lange Ihr Kind bei einer Sache bleibt, hängt im Alltag ohnehin an mehr als am Alter: an der Aufgabe, am Interesse, an der Tageszeit und daran, wie müde es ist. Dasselbe Kind, das beim Bauen die Zeit vergisst, schaut beim Abschreiben vielleicht bald aus dem Fenster.

Eine Minutenzahl ist deshalb kein Maßstab dafür, ob etwas nicht stimmt. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) nennt als Anlass für einen Arztbesuch etwas anderes: wenn ein Kind häufiger unkonzentriert ist und die Eltern nicht wissen, warum.[2]

Was die Konzentration stört

Als häufige Ursachen von Konzentrationsproblemen nennt der BVKJ Überlastung in Schule, Familie oder Freizeit, außerdem Schlafmangel sowie Stress und seelische Belastungen.[3] Reine Unkonzentriertheit hat nach Einschätzung des Verbands meist eine Ursache, die sich beheben lässt.[2] Auch die US-amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin (AASM) hält fest: Regelmäßig zu wenig Schlaf hängt mit Aufmerksamkeits-, Verhaltens- und Lernproblemen zusammen.[4]

Lärm und Musik

Lärm beeinträchtigt Kinder beim Zuhören und beim Verstehen von Sprache stärker als Erwachsene, besonders Kinder mit Sprach- oder Aufmerksamkeitsstörungen, so eine Übersicht über Studien mit Kindern. Auch beim Lesen zeigten sich Störungen, die Effekte sind aber meist klein.[5] Eine Metaanalyse über 65 Studien mit Kindern und Erwachsenen fand: Geräusche, Gespräche und Musik im Hintergrund verschlechtern das Lesen leicht, aber verlässlich, am stärksten verständliche Sprache und Musik mit Gesang.[6] Ob ruhige Musik ohne Text anders wirkt, ordnen wir im Faktencheck zum Lernen mit Musik ein.

Bildschirme

Kinder mit viel Bildschirmzeit haben etwas häufiger Aufmerksamkeitsprobleme. Eine Metaanalyse mit 159.425 Kindern bis zwölf Jahren, im Schnitt gut sechs Jahre alt, fand einen kleinen Zusammenhang zwischen mehr Bildschirmzeit und nach außen gerichteten Problemen, zu denen auch ADHS-Symptome zählen (r = 0,11).[7]

Ob das eine das andere verursacht, ist offen. In einer Übersicht über Langzeitstudien mit Kindern im Vorschulalter sprachen sieben von acht Studien, die die Richtung prüften, für eine Wechselwirkung in beide Richtungen.[8] Es kann also auch sein, dass Kinder, die sich schwer konzentrieren, mehr Zeit vor Bildschirmen verbringen.

Als Orientierung nennt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) für Kinder von sechs bis neun Jahren höchstens 30 bis 45 Minuten Bildschirmzeit am Tag in der Freizeit, möglichst nicht täglich. Bei Mahlzeiten und möglichst eine Stunde vor dem Schlafengehen sollen alle Bildschirme aus bleiben.[9] Ob schon ein Handy auf dem Schreibtisch ablenkt, ist umstritten. Das ordnen wir im Beitrag zum Lernplatz ein.

Was hilft und wie gut es belegt ist

Schlaf

Die AASM empfiehlt Kindern von sechs bis zwölf Jahren regelmäßig 9 bis 12 Stunden Schlaf pro 24 Stunden. Das ist der Konsens eines Expertengremiums in den USA, kein deutscher Wert. Wer so lange schläft, hat laut AASM im Schnitt bessere Werte bei Aufmerksamkeit, Verhalten, Lernen und Gedächtnis. Gemeint sind Zusammenhänge, keine nachgewiesenen Ursachen.[4]

Wie groß diese Zusammenhänge sind, zeigt eine Metaanalyse über 86 Studien mit 35.936 gesunden Kindern von fünf bis zwölf Jahren. Kinder, die länger schliefen, schnitten bei Denkaufgaben, bei der Selbststeuerung und in der Schule etwas besser ab und hatten etwas weniger Verhaltensprobleme. Die Zusammenhänge sind klein (r = 0,07 bis 0,10). Mit der Intelligenz hing die Schlafdauer nicht zusammen.[10]

Ein Ergebnis überrascht: Anders als bei Erwachsenen hing die Schlafdauer bei den Kindern nicht mit der Daueraufmerksamkeit und dem Gedächtnis in Tests zusammen. Die Autoren vermuten methodische Gründe und die Reifung des Gehirns.[10] Für genug Schlaf sprechen trotzdem die Zusammenhänge mit Lernen und Verhalten. Dass mehr Schlaf allein die Daueraufmerksamkeit verbessert, lässt sich aus diesen Daten aber nicht ableiten.

Eine zweite Metaanalyse mit Kindern und Jugendlichen fand den stärksten, wenn auch bescheidenen Zusammenhang mit schlechteren Schulleistungen nicht bei der Schlafdauer, sondern bei der Müdigkeit am Tag.[11] Ist Ihr Kind tagsüber auffallend müde, obwohl es genug Zeit im Bett verbringt, sprechen Sie das in der Kinder- und Jugendarztpraxis an.

Bewegung

Eine Metaanalyse über 31 Studien mit Kindern von sechs bis zwölf Jahren fand: Nach einer einzelnen Bewegungseinheit war die Aufmerksamkeit kurz danach besser, ein mittlerer Effekt (g = 0,43), der allerdings auf nur sechs Studien beruht. Regelmäßige Bewegungsprogramme über mehrere Wochen verbesserten die exekutiven Funktionen (g = 0,24, zwölf Studien) und die Schulleistungen (g = 0,26, nur drei Studien).[12]

Zu Bewegungspausen und Lernen mit Bewegung im Klassenzimmer fand eine Metaanalyse mit Grundschulkindern mehr Mitarbeit und weniger Abschweifen, aber keinen gesicherten Effekt auf Denkleistungen.[13] Kurze Bewegungspausen helfen vielen Kindern also, wieder bei der Sache zu sein.

Frühstück

Eine Übersicht über 45 Studien mit Kindern und Jugendlichen fand: Ein Frühstück wirkt sich im Vergleich dazu, nüchtern zu bleiben, am selben Vormittag positiv auf manche Denkleistungen aus, am verlässlichsten bei Aufgaben zu Aufmerksamkeit, Selbststeuerung und Gedächtnis und am deutlichsten bei unterernährten Kindern. Ob die Zusammensetzung des Frühstücks eine Rolle spielt, lässt sich mangels Studien nicht sicher sagen.[14] Bestimmte Lebensmittel empfehlen wir deshalb nicht.

Aufgaben teilen und Pausen

Gut belegt ist ein verwandter Befund: Stoff, der auf mehrere kürzere Einheiten mit Pausen dazwischen verteilt wird, bleibt besser hängen als am Stück gelernter. Die meisten Experimente dazu wurden mit Studierenden gemacht, nach einer großen Übersichtsarbeit profitieren aber Kinder jeden Alters davon.[15]

Das ist ein Befund zum Behalten, nicht zur Konzentration. Als praktischer Rat lässt er sich trotzdem übertragen: Zerlegen Sie große Aufgaben in überschaubare Teile, und lassen Sie Ihr Kind zwischendurch kurz aufstehen. Wie es lernt, sich solche Etappen selbst einzuteilen, beschreibt unser Beitrag zum selbstständigen Lernen.

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Konzentrationstrainings und Apps

Ob als Übungsheft oder App: Konzentrationstrainings versprechen, dass Kinder durch Üben insgesamt aufmerksamer werden. Gut untersucht sind Trainings für das Arbeitsgedächtnis, also dafür, etwas kurz im Kopf zu behalten und damit zu arbeiten.

Eine Metaanalyse über 23 Studien mit Kindern, darunter Kinder mit ADHS, und Erwachsenen fand: Die Trainings verbessern kurzfristig genau das Geübte. Für eine Übertragung auf andere Fähigkeiten wie Aufmerksamkeitskontrolle, Lesen oder Rechnen gab es keinen überzeugenden Beleg.[16] Eine Metaanalyse über 41 Studien mit 2.375 normal entwickelten Kindern kam zum selben Bild: kleine bis mittlere Effekte bei Gedächtnisaufgaben, umso größer, je ähnlicher Test und Training waren, aber praktisch keine Wirkung auf Intelligenz, Mathematik und Sprache.[17]

Bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS verbesserten kognitive Trainings in einer Metaanalyse über 16 randomisierte Studien mit 759 Teilnehmenden zwar die Ergebnisse in Tests zum Arbeitsgedächtnis. Urteilten Beobachter, die vermutlich nicht wussten, wer trainiert hatte, war der Effekt auf die ADHS-Symptome aber klein und auf die Unaufmerksamkeit statistisch nicht gesichert. Auch bei den Schulleistungen gab es keine gesicherte Verbesserung.[18]

Bei einer Lese-Rechtschreib-Störung ohne zusätzliche Aufmerksamkeitsstörung empfiehlt die deutsche Leitlinie von 2015, die derzeit überarbeitet wird, Konzentrationstrainings nicht einzusetzen, um Lesen und Schreiben zu verbessern.[19]

Kurz gesagt: Solche Programme machen Kinder besser in genau diesen Übungen. Dass sie dadurch in der Schule konzentrierter werden, ist nicht belegt. Spielt Ihr Kind gern solche Spiele am Tablet, zählt das als Bildschirmzeit, nicht als Konzentrationsförderung.

Faktencheck: Brain-Gym, Bach-Blüten, Globuli

Wer zum Thema Konzentration sucht, stößt auf Überkreuzübungen, Blütentropfen und Globuli. Der Wunsch dahinter ist verständlich: etwas tun, das sanft klingt und sich zu Hause umsetzen lässt.

Brain-Gym

Mythos

Überkreuzbewegungen verbinden die beiden Gehirnhälften und fördern so die Konzentration.

Was die Forschung sagt

Eine Übersichtsarbeit von 2007 fand nur fünf begutachtete Fachartikel zur Wirksamkeit von Brain-Gym. Drei der vier ausgewerteten Studien erschienen in derselben Zeitschrift, in der Autoren für die Veröffentlichung bezahlen. Weder diese Studien noch die theoretischen Grundlagen stützten die Versprechen der Anbieter. Die Theorie der „Dominanz einer Hirnhälfte“, auf die sich Brain-Gym beruft, gilt in der Fachliteratur als widerlegt.[20]

Ein zweiter Review kam 2010 zum selben Schluss: Brain-Gym wird in über 80 Ländern genutzt, es gibt aber kaum empirische Belege dafür.[21]

Bewegung an sich tut gut. Hat Ihr Kind Freude an den Übungen von Brain-Gym (auch Edu-Kinestetik genannt), kann es sie als Bewegungspause machen. Die besonderen Versprechen des Programms sind nicht belegt.

Bach-Blüten

Ein systematischer Review fand sieben randomisierte Studien zu Bach-Blüten, zu verschiedenen Beschwerden und nicht speziell mit Kindern. Keine der placebokontrollierten Studien konnte eine Wirkung zeigen.[22]

In einer kleinen Studie bekamen 40 Kinder mit ADHS zwischen sieben und elf Jahren drei Monate lang entweder Bach-Blüten oder ein Scheinmittel, ohne dass die Beteiligten wussten, wer was bekam. Bach-Blüten wirkten nicht besser, in beiden Gruppen besserte sich das Verhalten mit der Zeit gleichermaßen.[23] Eine Besserung, die Eltern beobachten, kann also auch mit der Zeit kommen, mit und ohne Tropfen.

Globuli und Homöopathie

Der Cochrane-Review zu Homöopathie bei ADHS fand keine bedeutsamen Effekte, auch nicht auf die Unaufmerksamkeit. Er stützt sich auf vier Studien mit zusammen 168 Teilnehmenden, die Literatursuche reichte bis März 2006.[24] Eine Metaanalyse von 2022, die Homöopathie bei ADHS für wirksam erklärte, hat die Fachzeitschrift zurückgezogen.[25]

Die australische Gesundheitsforschungsbehörde NHMRC kam 2015 nach Prüfung von 57 systematischen Reviews mit 176 Studien aus allen Altersgruppen zu dem Schluss: Für keine Erkrankung gibt es verlässliche Belege, dass Homöopathie wirkt. Wer wegen Homöopathie wirksame Behandlungen ablehnt oder hinauszögert, gefährdet laut NHMRC seine Gesundheit.[26] Für Konzentrationsprobleme heißt das: Tropfen oder Globuli sollten eine nötige Abklärung nicht aufschieben.

Wann Sie es abklären lassen sollten

Der BVKJ rät: Ist Ihr Kind häufiger unkonzentriert und Sie wissen nicht, warum, gehen Sie mit ihm zur Kinder- und Jugendarztpraxis. Dort wird ausführlich gesprochen und, wenn nötig, untersucht, auch mit einer Blutuntersuchung, um körperliche Ursachen auszuschließen.[2]

Zuerst Sehen, Hören und Schlaf

Manche Kinder wirken unaufmerksam, obwohl sie schlecht sehen oder hören. Die deutsche S3-Leitlinie zu ADHS nennt körperliche Ursachen, die fälschlich wie ADHS aussehen können: Seh- oder Hörstörungen, die als Unaufmerksamkeit missverstanden werden, außerdem Anfallsleiden und Schilddrüsenstörungen. Auch Müdigkeit bei Schlafstörungen, einschließlich Atemaussetzern im Schlaf (Schlafapnoe), ist davon abzugrenzen.[27]

Diese Leitlinie hat den Stand 2017, war bis 2022 gültig und wird derzeit überarbeitet.[28] Eine Konsultationsfassung der Neufassung erschien im Mai 2026, eine endgültige neue Fassung stand Anfang Oktober 2026 noch nicht im Leitlinienregister.[28], [29]

Was Lehrkraft und Praxis beitragen

Vor dem Termin lohnt ein Gespräch mit der Klassenlehrkraft: Fällt ihr dasselbe auf wie Ihnen, bei welchen Aufgaben, zu welcher Tageszeit? Bei einer Abklärung auf ADHS gehören laut BVKJ unter anderem ein ausführliches Gespräch und eine körperliche und neurologische Untersuchung dazu, einschließlich Seh- und Hörtest. Bei Bedarf kommen Tests und Beschreibungen des Verhaltens von mehreren Personen hinzu, etwa von Eltern und Lehrkräften.[30]

ADHS ist eine mögliche Ursache unter mehreren

Kommen zur Unkonzentriertheit Impulsivität und Hyperaktivität hinzu, kann laut BVKJ eine ADHS dahinterstecken.[2] Sie ist aber nur eine Möglichkeit. Lernschwierigkeiten, eine depressive Verstimmung oder Angst können Begleiter einer ADHS sein, aber auch selbst die Ursache der Auffälligkeiten. Deshalb müssen sie vor einer ADHS-Diagnose abgeklärt werden. Abklären sollte eine in ADHS erfahrene Kinder- und Jugendarztpraxis, oft zusammen mit weiteren Fachleuten, zum Beispiel einem Sozialpädiatrischen Zentrum.[30] Ist eine ADHS festgestellt, steht im Beitrag zu ADHS in der Schule, was im Unterricht hilft und welche Hilfen die Länder vorsehen.

Hakt es vor allem beim Lesen und Schreiben oder beim Rechnen, lesen Sie auch unsere Beiträge zu LRS und Legasthenie und zur Dyskalkulie.

Vorsorge: die alte U10, die U11 und die neue U10

Die Früherkennungsuntersuchungen, die jede gesetzliche Krankenkasse bezahlt, umfassen derzeit die U1 bis U9.[31] Kinder- und Jugendärzte bieten zusätzlich eine U10 mit sieben bis acht und eine U11 mit neun bis zehn Jahren an. Diese zusätzlichen Vorsorgen bezahlen nicht alle Krankenkassen.[32], [33]

Neu ist ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 20. August 2026: Künftig soll es für alle gesetzlich versicherten Kinder von neun bis zehn Jahren eine neue U10 geben. Schwerpunkte sind Übergewicht, Bewegung, digitaler Medienkonsum und psychische Auffälligkeiten.[34] Trotz des gleichen Namens ist das nicht die bisherige U10: Die neue Untersuchung liegt im Alter der bisherigen U11.

In Kraft ist die neue U10 noch nicht (Stand 4. Oktober 2026). Erst prüft das Bundesministerium für Gesundheit den Beschluss, nach der Veröffentlichung regelt der Bewertungsausschuss binnen sechs Monaten die Vergütung. Erst dann können Praxen die Untersuchung anbieten.[35], [34] Bis dahin lohnt eine Nachfrage bei Ihrer Krankenkasse, ob sie die bisherige U10 oder U11 übernimmt. Eine Konzentrationsprüfung gehört nicht zu den genannten Schwerpunkten, die Vorsorge ist aber ein guter Anlass, Ihre Beobachtungen anzusprechen.

Wann in die Kinder- und Jugendarztpraxis?

Sprechen Sie Ihre Beobachtungen in der Praxis an, wenn zum Beispiel einer dieser Punkte zutrifft. Eine Diagnose folgt daraus nicht, nur ein Anlass zum Nachfragen.

  • Ihr Kind ist häufiger unkonzentriert, und Sie wissen nicht, warum.
  • Zur Unkonzentriertheit kommen deutliche Unruhe und impulsives Verhalten.
  • Sie haben den Eindruck, dass Ihr Kind schlecht sieht oder hört.
  • Ihr Kind ist tagsüber auffallend müde, obwohl es genug Zeit zum Schlafen hat.
  • Ihr Kind wirkt über längere Zeit bedrückt oder ängstlich.

Erste Ansprechpartner

Die Klassenlehrkraft für den Blick aus dem Unterricht. Die Kinder- und Jugendarztpraxis als erste Anlaufstelle (Elterninformation des BVKJ zur ADHS-Abklärung). Bei Bedarf eine in ADHS erfahrene Praxis oder ein Sozialpädiatrisches Zentrum.

Quellen

Wir stützen uns bevorzugt auf Übersichtsarbeiten, Leitlinien und Angaben offizieller Stellen. Zuletzt geprüft am 4. Oktober 2026.

  1. [1] Best, J. R. & Miller, P. H. (2010). A developmental perspective on executive function. Child Development, 81(6), 1641–1660. doi.org
  2. [2] Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de (letzte Aktualisierung 14.02.2014). Konzentrationsstörungen: Diagnose. Patienteninformation. Abgerufen am 04.10.2026.
  3. [3] Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de (letzte Aktualisierung 14.02.2014). Konzentrationsstörungen: Ursachen. Patienteninformation. Abgerufen am 04.10.2026.
  4. [4] Paruthi, S., Brooks, L. J., D’Ambrosio, C. u. a. (2016). Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations: A Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine. Journal of Clinical Sleep Medicine, 12(6), 785–786. doi.org
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  6. [6] Vasilev, M. R., Kirkby, J. A. & Angele, B. (2018). Auditory distraction during reading: A Bayesian meta-analysis of a continuing controversy. Perspectives on Psychological Science, 13(5), 567–597. doi.org
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  9. [9] Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de (Stand 02.12.2025). Tabelle: Wie oft und wie lange dürfen Kinder Medien nutzen? Die Seite stützt sich unter anderem auf die S2k-Leitlinie AWMF 027-075, die laut Seite bis 15.07.2026 gültig war. kindergesundheit-info.de
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  29. [29] AWMF (2026). Konsultationsfassung: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Registernummer 028-045 KF, veröffentlicht 22.05.2026, kommentierbar bis 23.06.2026. Abgerufen am 04.10.2026. awmf.org
  30. [30] Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de (letzte Aktualisierung 04.01.2024). ADHS: Diagnose. Abgerufen am 04.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
  31. [31] Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Kinder-Richtlinie: Richtlinie zur Früherkennung von Krankheiten bei Kindern. Fassung vom 18.06.2015, zuletzt geändert 15.05.2025, in Kraft 01.01.2026. Abgerufen am 04.10.2026. g-ba.de
  32. [32] Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de (letzte Aktualisierung 05.09.2016). U10: Vorsorge im Grundschulalter. Abgerufen am 04.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
  33. [33] Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de (letzte Aktualisierung 05.09.2016). U11: Vorsorge in einer wichtigen Schulphase. Abgerufen am 04.10.2026. kinderaerzte-im-netz.de
  34. [34] Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (20.08.2026). Früherkennung bei Kindern und Jugendlichen: G-BA führt neue U10 ein und integriert Dokumentation der J1 ins Gelbe Heft. Pressemitteilung. Abgerufen am 04.10.2026. g-ba.de
  35. [35] Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (Beschluss vom 20.08.2026). Kinder-Richtlinie: Einführung einer neuen Früherkennungsuntersuchung für Kinder nach § 26 SGB V. Stand 04.10.2026: noch nicht in Kraft. Abgerufen am 04.10.2026. g-ba.de
  36. [36] Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF), Österreich. Schulpsychologie. Abgerufen am 04.10.2026. bmbwf.gv.at

Geschrieben von

[Name folgt]

Hat Pädagogik und Informatik studiert. Schreibt hier über den Forschungsstand zum Lernen und prüft digitale Lernhilfen technisch, bevor sie hier erwähnt werden.

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