Lesen lernen in Klasse 1: Fibel, Anlauttabelle, Silbenmethode und was die Forschung sagt
Fibel oder Anlauttabelle, Silben oder freies Schreiben: Wie die Schule das Lesen beibringt, beschäftigt viele Eltern. Wir zeigen, wie Kinder lesen lernen, was Studien über die Methoden wissen und wie Sie zu Hause sinnvoll üben.
Kurz gesagt
- Die Bildungsstandards legen fest, was Kinder am Ende der Grundschule können sollen, nicht, mit welcher Methode sie lesen lernen. In einer repräsentativen Befragung kombinierten die meisten Lehrkräfte Anlauttabelle und Fibel.
- Kinder, deren Lehrkräfte sich stark an „Lesen durch Schreiben“ orientierten, machten in mehreren deutschen Studien mehr Rechtschreibfehler, lasen aber nicht schlechter. Wie groß der Einfluss der Methode selbst ist, bleibt umstritten.
- „Lesen durch Schreiben“ ist nicht bundesweit verboten. In Hessen ist die Methode an öffentlichen Grundschulen nicht zulässig.
- Dass die Silbenmethode LRS verhindert, ist eine Werbeaussage, kein Studienergebnis. Für flüssiges Lesen gilt wiederholtes lautes Lesen international als wirksam; in deutschen Grundschulklassen waren die Effekte von Lautlese-Tandems klein.
Wie Kinder lesen lernen
Am Anfang steht das Hören: Kinder nehmen wahr, aus welchen Lauten und Silben ein Wort besteht, gliedern es danach und ordnen den Lauten Buchstaben zu. So beschreibt es der bayerische Lehrplan.[1] Nach dem anfänglichen Lautieren und Erlesen erfassen sie zunehmend größere Einheiten wie Vor- und Nachsilben oder häufige Wortstämme. Gleichzeitig wächst ihr Sichtwortschatz, also die Wörter, die sie auf einen Blick erkennen.[1]
Am Ende von Klasse 2 lesen Kinder in Bayern „in der Regel“ Wörter, Sätze und altersangemessene Texte flüssig und mit Verständnis.[1] Am Ende der Grundschule sollen sie laut den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz „leise und laut, automatisiert, genau, sinngestaltend und zügig“ lesen, häufige Wörter sicher erkennen und unbekannte über Silben oder Wortbausteine erlesen.[2]
Die Bildungsstandards legen fest, was Kinder können sollen, nicht mit welcher Methode. Bayern schreibt, dass die Methoden im Anfangsunterricht unterschiedliche Zugänge verbinden und das Lesen- und Schreibenlernen bei jedem Kind individuell verläuft.[1]
Was über Buchstaben und Laute bekannt ist
Gut untersucht ist der systematische Unterricht in Buchstaben-Laut-Zuordnungen, international „Phonics“ genannt. Die Metaanalyse des US-amerikanischen National Reading Panel fasste 66 Vergleiche aus 38 Experimenten zusammen und fand einen mittleren Effekt (d = 0,41), der nach dem Ende des Unterrichts anhielt. Früh begonnen wirkte der Unterricht stärker (d = 0,55) als nach der ersten Klasse (d = 0,27). Er war allen Vergleichsformen überlegen, auch dem Ganzwort-Ansatz.[3]
Für deutschsprachige Kinder fallen die Effekte eines verwandten Trainings kleiner aus. Zwei Metaanalysen zu Trainings der phonologischen Bewusstheit, also dem Hören und Unterscheiden von Lauten in Wörtern, fanden deutlich niedrigere Werte als internationale Studien.[4], [5] Eine nennt als Erklärung die regelmäßigere deutsche Rechtschreibung.[4]
Wie gut Viertklässler lesen
Warum das Thema viele Eltern beschäftigt, zeigen zwei große Schulleistungsstudien. Die jüngsten Ergebnisse stammen von 2021; neue IGLU-Ergebnisse sind für Dezember 2027 angekündigt.[6] Beide Studien messen Verschiedenes, ihre Zahlen darf man nicht zusammenzählen.
| Studie | Was sie prüft | Ergebnis Lesen 2021 |
|---|---|---|
| IGLU 2021, 4.611 Viertklässler in Deutschland[7] | Lesekompetenz im internationalen Vergleich, eigene Kompetenzstufen | 25,4 % erreichten Kompetenzstufe III nicht (2001: 16,9 %, 2016: 18,9 %) |
| IQB-Bildungstrend 2021, 26.844 Viertklässler[8] | Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz | 18,8 % verfehlten den Mindeststandard (2016: 12,5 %)[9] |
Mit seinem Anteil schwacher Leserinnen und Leser liegt Deutschland bei IGLU im Bereich des EU- und OECD-Durchschnitts.[7]
Mythos
Jedes vierte Kind kann nach der Grundschule nicht lesen.
Was die Forschung sagt
Für IGLU 2021 wurden 4.611 Viertklässler in Deutschland getestet. 25,4 Prozent von ihnen erreichten die Kompetenzstufe III nicht. Die Studie nimmt an, dass diese Kinder kaum ausreichend lesen können, um in der weiterführenden Schule gut weiterzulernen.[7]
Nicht lesen können heißt das nicht. Im IQB-Bildungstrend finden auch Kinder auf der untersten Stufe ausdrücklich genannte Einzelinformationen in einem Text.[8] Richtig ist: Rund ein Viertel der Viertklässler liest so schwach, dass das Weiterlernen schwierig wird.
Fibel, Anlauttabelle, Silben: die Methoden
Fibel. Ein Fibel-Lehrgang führt Buchstaben und Wörter Schritt für Schritt ein, in einem festen Ablauf vom Einfachen zum Komplexen. Gesprochene Wörter werden unter Anleitung in Laute zerlegt, jedem Laut wird ein Buchstabe zugeordnet, die Lehrkraft hilft und korrigiert. So beschreibt es die Bonner Forschergruppe.[10]
„Lesen durch Schreiben“. In diesem Ansatz von Jürgen Reichen schreiben Kinder mit einer Anlauttabelle möglichst viel frei, das Lesen sollen sie über das Schreiben mitlernen. Fehler werden zunächst nicht korrigiert.[10], [11]
Anlauttabelle. Sie ordnet jedem Buchstaben ein Bild zu, dessen Name mit dem passenden Laut beginnt, etwa den Igel für das i. Die Tabelle geht auf die „Buchstabentabelle“ zurück, die der Schweizer Lehrer Reichen in den 1980er-Jahren für das freie Schreiben entwickelte. Seitdem ist sie auch in Fibel-Lehrgänge eingegangen.[12]
Rund 70 Prozent der Viertklässler von 2016 hatten in der Grundschule mit Anlauttabellen gearbeitet, etwa die Hälfte davon am Anfang fast jede Stunde. Die meisten Lehrkräfte kombinierten die Tabelle mit anderen Materialien wie Fibeln (repräsentative Lehrkräftebefragung zu IGLU 2016).[13] Eine Anlauttabelle im Ranzen heißt also nicht, dass die Klasse nach „Lesen durch Schreiben“ arbeitet.
Die Tabelle hat Grenzen. Manche Laute kommen am Wortanfang nicht vor, etwa das ng in „Ring“. Und beim Bild „Igel“ besteht die Gefahr, dass Kinder das einfache i für die Regelschreibung des langen i halten.[12] Auf den meisten Tabellen fehlt außerdem das stimmlose s wie in „Eis“, auf fast allen das unbetonte e wie in „Schule“. Hessen ordnet sie als Hilfsmittel für den Beginn von Klasse 1 ein; auch beim Einsatz in Fibeln gehört die Hinführung zur richtigen Schreibung von Anfang an zum Unterricht.[14]
Silbenmethode. Silbenansätze stellen die Silbe statt des einzelnen Lauts in den Mittelpunkt. Für Silbenfibeln wird mit großen Versprechen geworben.
Mythos
Mit der Silbenmethode lernt jedes Kind besser lesen, und LRS wird vermieden.
Was die Forschung sagt
Damit wirbt der Verlag einer Silbenfibel.[15] Belegt ist das nicht. Eine Vergleichsstudie über Klasse 1 bis 4 fand mit der „Silbenanalytischen Methode“ ähnliche Ergebnisse wie mit zwei Fibeln; nur am Anfang schrieben die Fibel-Kinder richtiger.[16]
Belegt sind Effekte silbenbasierter Förderprogramme für leseschwache Zweit- und Viertklässler (siehe unten), nicht für den Erstunterricht mit Silbenfibel.
Viele Erstlesebücher färben Silben abwechselnd ein. Ob das beim Lesenlernen hilft, ist nicht belegt. Eine Dissertation mit 232 Zweitklässlern in Baden-Württemberg fand mit Silbenbögen, nicht Farbe, einen etwas größeren Lernzuwachs beim Lesen; die Klassen waren aber nicht zufällig verteilt.[17] In einer kleinen Pilotauswertung mit 21 besonders leseschwachen Zweitklässlern brachten farbige Silben keine überzeugenden Vorteile, andere erste Ergebnisse widersprechen sich (Arbeitspapier von Hans Brügelmann, 2025).[18] Wie Sie passende Bücher für Leseanfänger finden, steht in unserem Beitrag zu Kinderbüchern.
„Lesen durch Schreiben“ im Faktencheck
Die Kritik an der Methode richtet sich vor allem auf die vielen Rechtschreibfehler beim frühen lautorientierten Schreiben und darauf, dass sie anfangs geduldet werden. Eine Fachübersicht von 2024 hält die Befundlage aber für weniger eindeutig, als es in der öffentlichen Debatte oft heißt.[12] Die wichtigsten deutschen Studien:
| Studie | Klasse | Ergebnis |
|---|---|---|
| Weinhold (2009)[16] | 1 bis 4 | Bis Klasse 2 unterschiedliche Fehlerarten, bis zum Ende der Grundschule gleichen sich die Leistungen an. |
| Funke (2014), Übersicht[19] | 1 bis 4 | Klasse 2 bis 4 auf den ersten Blick schlechtere Rechtschreibung, gleiches Lesen; laut Autor methodisch unsicher. |
| Hatz & Sachse (2014), Fibel gegen Spracherfahrungsansatz[20] | 1 bis 2 | Insgesamt kein eindeutiger Vorteil; Kinder mit schwachen Vorläuferfähigkeiten entwickeln sich mit Fibel deutlich besser. |
| Bonner Studie (Kuhl & Röhr-Sendlmeier), 284 Kinder im Verlauf, 2.800 einmalig[21] | ab Ende 1 | Fibel-Kinder schreiben zu allen fünf Messzeitpunkten richtiger; methodisch umstritten. |
| Hess u. a. (2020), 507 Kinder[11] | Mitte 1 | Je stärker die Methode im Unterricht, desto mehr falsch geschriebene Wörter; beim lautgetreuen Schreiben kein Unterschied. |
| Hess u. a. (2024), dieselben 507 Kinder[22] | Ende 1 und 2 | Schlechtere Rechtschreibung, kein bedeutsamer Effekt auf das Lesen. |
Die Studien von Hess und Kollegen
Hess und Kollegen haben 507 Kinder aus 31 ersten Klassen untersucht. Gemessen wurde nicht „Methode A gegen Methode B“, sondern wie stark sich die Lehrkraft nach eigener Angabe an „Lesen durch Schreiben“ orientierte. Je stärker, desto mehr Rechtschreibfehler machten die Kinder, schon ab Ende Klasse 1 und unter Berücksichtigung ihrer Ausgangslage.[11], [22] Ihr Selbstbild beim Schreiben war dagegen positiver, die Lernfreude tendenziell etwas höher.[22]
Die Gruppen waren dabei nicht sauber getrennt: Zehn der 13 Lehrkräfte, die der Methode eine wichtige Rolle gaben, nutzten zusätzlich eine Fibel. Die Familien der Kinder lagen sozial über dem deutschen Durchschnitt.[23]
Mythos
Mit „Lesen durch Schreiben“ lernen Kinder schlechter lesen.
Was die Forschung sagt
In der Studie von Hess und Kollegen mit 507 Kindern am Ende von Klasse 1 und 2 hatte die Methode auf die Leseleistung keinen bedeutsamen Effekt.[22] Funkes Übersicht fand für Klasse 2 bis 4 auf den ersten Blick gleiche Leseleistungen.[19]
Der Nachteil, den diese Studien finden, liegt bei der Rechtschreibung, nicht beim Lesen.
Die Bonner Studie
Laut den Autoren nahmen 3.084 Kinder aus zwölf zufällig ausgewählten Grundschulen in Nordrhein-Westfalen teil, die mit Fibel, mit „Lesen durch Schreiben“ oder mit der „Rechtschreibwerkstatt“ lernten. Den Verlauf verfolgte die Studie bei 284 Kindern, ab Ende Klasse 1 halbjährlich mit einem Diktattest und unter Berücksichtigung der Vorkenntnisse. Die Fibel-Kinder schrieben zu allen fünf Messzeitpunkten signifikant richtiger, meist mit großem Effekt, obwohl die „Lesen durch Schreiben“-Kinder zu Schulbeginn mehr Vorkenntnisse hatten.[21]
Die oft zitierten „55 Prozent mehr Rechtschreibfehler“ stammen aus der Pressemitteilung der Universität Bonn, also aus der Darstellung der Forscher selbst. Sie bezieht die Zahl auf das Ende der vierten Klasse, schreibt aber zugleich, getestet worden sei bis zum Ende des dritten Schuljahres.[10] Ausführlich erschien die Studie 2020 als Dissertation. Der Erziehungswissenschaftler Hans Brügelmann, ein Befürworter offener Ansätze, kritisiert in einem vom Grundschulverband veröffentlichten Gutachten: Der Unterricht wurde nicht beobachtet, die Gruppen waren weder zufällig noch gezielt ausgewählt, und gemessen an der bundesweiten Norm des Tests lagen die „Lesen durch Schreiben“-Kinder im Durchschnitt. Eine Grundlage für ein Verbot liefere die Studie nicht.[24]
Was daraus folgt
Die Forschungsübersicht in der Arbeit von Hess und Kollegen kommt zu dem Schluss, dass sich keine klare Empfehlung für eine bestimmte Methode aussprechen lässt. Die Unterschiede innerhalb einer Methode sind teils größer als zwischen den Methoden.[22] Hinweise auf einen Vorteil der Fibel gibt es vor allem bei der Rechtschreibung und für Kinder mit schwachen Voraussetzungen.[20], [21]
Im IQB-Bildungstrend 2021 verfehlten 30,4 Prozent der Viertklässler in der Rechtschreibung den Mindeststandard.[9] Dass „Lesen durch Schreiben“ dafür verantwortlich ist, ist nicht belegt. Wie Kinder Rechtschreibung üben, lesen Sie in unserem Beitrag zur Rechtschreibung.
Ist die Methode verboten?
Nicht bundesweit. In Hessen ist „Lesen durch Schreiben“ oder „Schreiben nach Gehör“ an öffentlichen Grundschulen nicht zulässig. Spätestens ab dem zweiten Halbjahr der ersten Klasse müssen in der Regel alle falsch geschriebenen Wörter gezielt korrigiert werden.[14] Andere Länder regeln das unterschiedlich. Was an der Schule Ihres Kindes gilt, können Sie die Klassenlehrkraft fragen, zum Beispiel:
- Mit welchem Lehrgang oder welcher Fibel arbeitet die Klasse, und wofür wird die Anlauttabelle genutzt?
- Ab wann werden Fehler in frei geschriebenen Texten korrigiert, und wie?
Flüssig lesen üben
Bayern sieht schon für Klasse 1 und 2 vor, dass Kinder Flüssigkeit, Genauigkeit und Tempo durch regelmäßiges Üben steigern, zum Beispiel mit einem Lesepartner.[25]
International gilt wiederholtes Lautlesen, also denselben Text mehrmals laut lesen, als wirksam für Leseflüssigkeit und Textverständnis, bei Kindern mit und ohne Lernschwierigkeiten.[26] Eine Forschungssynthese über 19 Studien mit Kindern mit Lernschwierigkeiten vom Kindergarten bis Klasse 5 nennt es das wirksamste Verfahren für Leseflüssigkeit. Geholfen haben ein Vorbild, das flüssig vorliest, Rückmeldung, leichtere Texte, ein festes Ziel und das Üben mit Gleichaltrigen.[27]
Das Lautlese-Tandem
Die Bund-Länder-Initiative BiSS beschreibt das Lautlese-Tandem so: Ein stärkeres und ein schwächeres Kind lesen halblaut denselben Text, das stärkere passt sich dem Tempo an und führt den Finger mit. Bei einem Fehler hat das schwächere Kind vier Sekunden Zeit, sich selbst zu verbessern, sonst korrigiert der Partner. Empfohlen wird, mindestens dreimal pro Woche 15 bis 20 Minuten zu lesen, üblich über sechs bis acht Wochen, gedacht für Klasse 2 bis 10.[28]
Bei leseschwachen Sechstklässlern an Hauptschulen erwiesen sich die Tandems als wirksam.[29] In der Grundschule waren die Effekte kleiner: In 45 dritten Klassen legten Tandem-Klassen nur geringfügig mehr zu als Klassen mit normalem Unterricht, und vier Monate nach Ende der Förderung war kein Vorteil mehr zu sehen.[30], [28] Zwei Lesedidaktikerinnen fordern, Lautlese-Verfahren als ein Element unter mehreren zu sehen und dem leisen Lesen selbst gewählter Bücher mehr Gewicht zu geben.[31]
Üben zu Hause
Die Tandem-Studien stammen aus dem Unterricht. Die Checkliste ist unsere Übertragung auf den Familienalltag, kein geprüftes Programm: Die ersten vier Punkte folgen den genannten Studien, die übrigen sind praktischer Rat.
Checkliste zum Abhaken
Lesen üben zu Hause
Druckt nur diesen Kasten, ohne den Rest der Seite.
Tempo allein reicht nicht. In einer Frankfurter Studie mit 527 Sechstklässlern hing das Textverstehen vor allem von Leseflüssigkeit, Wortschatz und Lesemotivation ab.[32] Wie Sie den Wortschatz im Alltag stärken, auch durch Vorlesen, steht in unserem Beitrag zum Wortschatz.
Wenn es nicht vorangeht
Kinder lernen unterschiedlich schnell lesen. Für Kinder, die deutlich schwächer lesen als andere, gibt es geprüfte Förderprogramme auf Silbenbasis. In einer randomisierten Studie mit 75 leseschwachen Viertklässlern erkannten die Kinder nach 16 Sitzungen einzelne Wörter deutlich flüssiger; das Textverständnis verbesserte sich nicht signifikant.[33] Bei leseschwachen Zweitklässlern verbesserte ein Training über 24 Sitzungen im Vergleich mit einer Wartegruppe das Erlesen, das Erkennen von Wörtern und das Textverständnis.[34] Diese Programme sind für schwache Leser gedacht, nicht als Lehrgang für alle.
Hält eine deutliche Leseschwäche an, kann eine Lese-Rechtschreibstörung dahinterstecken. Hinweise können viele Fehler beim Lesen einzelner Wörter und ein deutlich langsameres Lesen sein, am Anfang oft auch Mühe, Laute zu unterscheiden und sich die Zuordnung von Buchstaben zu Lauten zu merken.[35] Die S3-Leitlinie von 2015 empfahl, betroffene Kinder schon im ersten Schuljahr zu fördern, und hielt fest, dass die Störung ohne wirksame Förderung häufig bestehen bleibt.[36] Die Leitlinie ist abgelaufen und wird derzeit überarbeitet, die Neufassung ist für den 31.10.2026 angekündigt.[35] In einer Metaanalyse randomisierter Studien mit Kindern und Jugendlichen mit Lesestörung war nur die Arbeit an Buchstaben-Laut-Zuordnungen statistisch gesichert wirksam.[37]
Wann nachfragen?
Sprechen Sie mit der Klassenlehrkraft, wenn Ihnen über längere Zeit auffällt, dass Ihr Kind …
- sich die Zuordnung von Buchstaben und Lauten nur mühsam merkt und ähnliche Laute schwer unterscheidet,
- beim Lesen einzelner Wörter viele Fehler macht und deutlich langsamer liest als andere Kinder,
- Laute nur sehr langsam zu Wörtern zusammenzieht und deshalb kaum versteht, was es gelesen hat.
Erste Ansprechpartner
Klassenlehrkraft und schulpsychologische Beratung. Die medizinische Diagnose stellen laut Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie Fachleute der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.[38]
Was eine LRS ist, wie sie abgeklärt wird und welche Hilfen es in der Schule gibt, erklären wir im Beitrag zu LRS und Legasthenie.
Quellen
Wir stützen uns bevorzugt auf Übersichtsarbeiten, Leitlinien und Angaben offizieller Stellen. Zuletzt geprüft am 12. Oktober 2026.
- [1] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus / ISB. LehrplanPLUS Grundschule, Fachprofil Deutsch. Abgerufen am 11.10.2026. lehrplanplus.bayern.de
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- [4] Fischer, M. Y. & Pfost, M. (2015). Wie effektiv sind Maßnahmen zur Förderung der phonologischen Bewusstheit? Eine meta-analytische Untersuchung der Auswirkungen deutschsprachiger Trainingsprogramme auf den Schriftspracherwerb. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 47(1), 35–51. doi.org
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- [8] Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Sachse, K. A., Weirich, S. & Henschel, S. (Hrsg.) (2022). IQB-Bildungstrend 2021. Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik am Ende der 4. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Münster: Waxmann. doi.org
- [9] Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) (2022). IQB-Bildungstrend 2021, Zusatzmaterial Tabellen (Tab. 3.4web Lesen, Tab. 3.6web Orthografie). iqb.hu-berlin.de
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[Name folgt]
Hat Pädagogik und Informatik studiert. Schreibt hier über den Forschungsstand zum Lernen und prüft digitale Lernhilfen technisch, bevor sie hier erwähnt werden.
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