Rund 1 Milliarde Euro, mit steigender Tendenz, geben Eltern pro Jahr für Nachhilfeunterricht aus. Es gibt kaum noch ein Kind, das während seiner Schullaufbahn nicht irgendwann einmal professionelle, außerschulische Hilfe bekommt. Nachhilfeinstitute schießen wie Pilze aus dem Boden, und es ist für Eltern schwer, gute von schlechten zu unterscheiden. Lesen Sie hier, ob eine Zertifizierung dabei helfen kann.
Wenn Sie ein Nachhilfeinstitut für Ihr Kind suchen, stehen Sie schnell vor der Frage, wo Ihr Geld am besten angelegt ist. Qualifizierte Unterstützung gibt es nicht zum Nulltarif, und für eine effektive und nachhaltige Wirkung müssen Sie mit einem Förderzeitraum von mindestens sechs Monaten rechnen. Da kommt also ganz schön viel Geld zusammen, das auch die gewünschte Wirkung erzielen soll. Doch wo ist Ihr Kind am besten aufgehoben? Die kommerziellen Anbieter versprechen einen sicheren Qualitätsnachweis durch eine TÜV-Zertifizierung, doch längst nicht alle Nachhilfeangebote werden damit erfasst.
In Deutschland gibt es weit über 3.000 gewerbliche Nachhilfeinstitute, aber der größte Teil der förderbedürftigen Schüler, rund 75 Prozent, lernt (noch) mit privaten Nachhilfelehrern zu Hause. Darunter befinden sich Studenten und Lehrer ebenso wie pädagogisch ungeschulte Fachkräfte aus bestimmten Berufszweigen oder unerfahrene Schülerinnen und Schüler. Erst nach einer Weile zeigt sich, ob die Förderung greift – nämlich an den erzielten Noten. Im schlimmsten Fall werden vorhandene Teilleistungsstörungen nicht erkannt und somit notwendige Diagnose- und Förderverfahren nicht eingeleitet. Auch hier wäre eine unabhängige Überprüfung der Qualität sicher hilfreich.
Bei den gewerblichen Anbietern gibt es bundesweit zwei große Einrichtungen: den Studienkreis und die Schülerhilfe mit jeweils rund 1.000 Niederlassungen. Diese haben nun in letzter Zeit Schlagzeilen mit einer TÜV-geprüften Zertifizierung gemacht, die ihren Qualitätsstandard belegen soll. Doch der TÜV ist nicht das einzige Institut, das Qualitätskriterien aufgestellt hat und Nachhilfeeinrichtungen auf eigenen Wunsch prüft. Pionierarbeit hat in diesem Bereich die Gütergemeinschaft Ina-Nachhilfeschulen (Interessenverband Nachhilfeschulen) geleistet, die gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) Nachhilfeschulen zertifiziert. Für eine einzige Einrichtung können allerdings mehrere tausend Euro an Kosten entstehen. Kleine Anbieter können das häufig nicht finanzieren.