Die Klang- und Lautwelt der arabischen, afrikanischen oder asiatischen Sprachen ist so ungewohnt für das deutsche Ohr, dass ihr Erlernen uns Erwachsenen überaus anstrengend erscheint. Kinder haben damit aber kaum Probleme, denn sie können jede Sprache mühelos lernen.
Die Fähigkeit zum Spracherwerb muss nicht erst mühsam erworben werden, sondern ist angeboren und steht allen gesunden Kindern dieser Welt zur Verfügung. Welche Sprache Kinder letztlich erwerben, hängt hauptsächlich davon ab, welche Sprache Vater, Mutter oder andere Personen in ihrem näheren Umfeld benutzen. In allererster Linie imitieren Kinder nämlich genau das, was sie Tag für Tag hören. Sie nutzen alle die gleichen Verhaltensmuster, um eine Sprache zu erlernen, sei es Chinesisch, Deutsch, Afrikanisch oder Arabisch. Langsam bildet sich ein Wortschatz heraus, der nach und nach immer mehr differenziert wird. Ist das Geräusch von Motoren anfangs noch immer ein Auto, ändert sich das mit zunehmender Sprachkompetenz. Ein Kind kann dann unterscheiden und benennen, ob es sich um einen Lastwagen, ein Motorrad, einen Sportwagen oder einen Bagger handelt. Folgende Strategien wenden Kinder zum Spracherwerb an:
Sie verwenden Wörter zuerst ganz allgemein und bezeichnen zum Beispiel alle Tiere als Katze. Nach einiger Zeit sind sie in der Lage, Unterschiede zwischen den Tieren zu erkennen und diese auch zu benennen. - Kinder bilden mit Vorliebe neue Wörter, mit denen sie ihre grammatikalischen Fähigkeiten beweisen. Eine Gärtnerei kann da beispielsweise „Blumung“ genannt werden, weil dort Blumen wachsen.
Alle Kinder wiederholen häufig Wörter und Sätze, weil ihnen der Klang oder die Reaktion ihrer Umgebung gut gefällt. Auch die Fragephase ist bei allen Kindern gleich. Sie drücken damit ihre Neugierde auf die Welt und ihren Lernwillen aus. Die dadurch geforderte Aufmerksamkeit und Zuwendung zeigt ihr Bedürfnis nach Kommunikation.
Es ist daher nicht erstaunlich, dass der Beginn des Spracherwerbs in allen Sprachen dieser Welt sehr ähnlich verläuft. Erst wenn ein Kind sich der Sprache seiner Umgebung immer mehr bewusst wird, lernt es die Regeln und den Gebrauch seiner Muttersprache. Dieses automatische Lernen funktioniert durch die Interaktion mit anderen. Wer eingeschult wird, hat den schwierigsten Prozess der Sprachentwicklung längst hinter sich gebracht. Mit fünf, sechs oder sieben Jahren haben Kinder gelernt, die Sprache als Mittel der Kommunikation und des Denkens zu benutzen. Doch der Vergleich von Grundschülern miteinander zeigt immer wieder, wie unterschiedlich diese Entwicklung verlaufen kann. Es ist ein faszinierender Vorgang mitzuerleben, wie ein Kind in seinen ersten Lebensjahren das Geheimnis der Sprache entschlüsselt. Vom Schreien und Schmatzen bis hin zu einer vollständigen Unterhaltung in ganzen Sätzen durchläuft es unterschiedliche Entwicklungsschritte, an deren Ende die Sprache als zentrales Mittel der Kommunikation steht. Die Gespräche mit seinen vertrauten Bezugspersonen, also den Eltern, Geschwistern, Schulfreunden und Großeltern, bilden die wichtigste Rahmenbedingung für diesen Prozess, der nach dieser Zeit noch lange nicht abgeschlossen ist. Ergänzende Informationen über die Sprachentwicklung Ihres Kindes und über Sprachverweigerung (Mutismus) finden Sie in der Schwerpunktausgabe Sprache von "Lernen und Fördern mit Spaß".
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