
Die Lebenssituation unserer Kinder hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Zeitmangel und Leistungsdruck bekommen auch schon die Kleinsten zu spüren, und spätestens in der Schule ist jedes Kind früher oder später Stresssituationen ausgesetzt. Entspanntes Lernen im Unterricht, zu Hause oder bei den Schulaufgaben ist leider nicht selbstverständlich. Bei Kindern kann man leicht an der Körpersprache ablesen, wie sie sich gerade fühlen. Hochgezogene Schultern, zusammengekauertes Sitzen, Zähne aufeinander beißen oder leichtes Aus-der-Haut-Fahren und extreme Unruhe sind Zeichen für eine zu starke Anspannung. Lernen Sie hier verschiedene Entspannungsübungen für Kinder kennen.
Kinder müssen heutzutage mit vielen verschiedenen Stressfaktoren zurechtkommen. Nicht nur in der Schule wird ihre volle Konzentration und Leistungsbereitschaft verlangt, sondern auch im Familienalltag sind sie oft mit schwierigen Situationen (allein mit einem Elternteil, Konflikte mit Geschwistern, Trennungen, Doppel-Berufstätigkeit) konfrontiert. Diese Belastungssituationen führen auf Dauer zu Stress, wenn kein entspannender Ausgleich stattfindet. Manche Kinder suchen sich ihre Entspannung ganz von selbst, indem sie beispielsweise Musik hören, malen oder etwas basteln. Andere brauchen dabei Unterstützung. Entspannungsübungen tun jedem Kind gut, beruhigen es und geben ihm neue Kraft und Energie. Den meisten Kindern fällt es sehr leicht, sich auf Entspannungsübungen einzulassen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wenn Ihr Kind schon ein wenig ausgepowert ist, z.B. nach der Schule, nach dem Mittagessen, nach den Hausaufgaben oder direkt vor dem Einschlafen, ist es besonders aufnahmebereit für diese Art der Bewältigung von Alltagsbelastungen. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Entspannung zu erreichen. Alle Methoden sollten jedoch über einen längeren Zeitraum angewendet werden, damit sie ihre volle Wirksamkeit entfalten können. Hier gilt: Übung macht den Meister!
1. Progressive MuskelentspannungDiese Methode wurde um 1920 von Edmund Jacobsen erfunden. Er stellte fest, dass Unruhe, Stress und Angst zum Verkrampfen der Muskulatur führen. Bei einer entspanntem Muskulatur hingegen fühlt man sich locker und wohl. Die Übungen stellen daher eine Folge von Anspannung und Entspannung verschiedener Muskeln dar, um die Herzschlagrate und den Blutdruck zu senken sowie Gedanken und Gefühle zur Ruhe kommen zu lassen. Progressive Muskelentspannung können Kinder ab fünf Jahren unter der Anleitung Erwachsener spielerisch erlernen. Die Übungen dürfen nicht erzwungen und nicht zu lang sein. Fünf bis zehn Minuten reichen in diesem Alter völlig aus. Je öfter ein Kind die Methode übt, desto besser kann es sie später auch alleine anwenden. Zum Thema Progressive Muskelentspannung siehe auch: http://www.progressive-muskelentspannung.de (Kurse in vielen Volkshochschulen) Übung zur progressiven Muskelentspannung: Ihr Kind soll sich bequem auf einen Stuhl setzen und die Augen schließen. Die Hände liegen locker auf seinen Oberschenkeln. Nun soll es zuerst linke Hand zur Faust ballen und diese Spannung 10 Sekunden anhalten. Dann wird die Hand geöffnet und bleibt 30 Sekunden lang ruhig liegen. Nun wird die Übung mit der rechten Hand gemacht. Halten Sie Ihr Kind dazu an, das Gefühl der Entspannung bewusst wahrzunehmen. 2. Autogenes TrainingDiese Methode wurde ebenfalls um 1920 von dem Arzt Heinrich Schultz für Erwachsene entwickelt. Das Gefühl der Entspannung wird dabei durch den eigenen Willen herbeigeführt. Um das autogene Training richtig zu erlernen, ist eine kompetente Anleitung notwendig. Damit die Grundelemente des Trainings richtig durchgeführt werden, sollte Ihr Kind bereits 8 bis 10 Jahre alt sein. Wärmeübung zum autogenen Training (10 bis 20 Minuten): Das autogene Training wird im Sitzen oder Liegen angewendet. Führen Sie Ihr Kind gedanklich auf eine warme, sonnige Wiese. „Die Sonne scheint auf deinen Körper. Deine Haut wird angenehm warm, du spürst die Sonne auf deinen Beinen, deinen Armen und deinem Gesicht. Es ist sehr angenehm, in der wärmenden Sonne zu liegen. Du fühlst dich ruhig und entspannt.“ Zum Thema Autogenes Training: http://www.autogenes-training.de (Kurse in vielen Volkshochschulen). 3. Fantasiereise oder EntspannungsgeschichtenKinder lieben Fantasiereisen, die ihre Gedanken in eine andere Welt entführen. Die ausgewählten Geschichten sollten ruhig und entspannt vorgelesen werden. Diese Methode ist schon für Kindergartenkinder gut geeignet, um sie zu beruhigen und zu entspannen. Geschlossene Augen sind hilfreich, Sie sollten aber gerade bei jüngeren Kindern nicht darauf bestehen. Weitere Informationen finden Sie auch unter: http://www.entspannung-plus.de Der fliegende Teppich: Ihr Kind soll sich bequem hinlegen, die Augen schließen und zuhören. Sie führen es in eine schöne Fantasiewelt, die eigene Kreativität zulässt. „Stell dir vor, du besitzt einen fliegenden Teppich, der dich überall hinbringen kann. Steige auf deinen Teppich und fliege los. Schaue nun nach unten: Was siehst du? (Hier hat jedes Kind natürlich andere Vorstellungen. Es wird keine Antwort erwartet, die Kinder sollen ihren Gedanken freien Lauf lassen.) Wenn dir ein Platz besonders gut gefällt, dann lande mit deinem Teppich. Steig ab und laufe ein Stück. Du kommst zu einem Haus. Wie sieht dein Haus aus, hat es runde Fenster, ist es lila und wachsen Palmen auf dem Dach?“ usw. In der "Lernen und Fördern" - Ausgabe August 2006 finden Sie weitere Entspannungstipps und eine hilfreiche Checkliste zu diesem Thema.
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